Wien. Der Österreichische Presserat fordert nach dem Unfalltod der ehemaligen Miss Austria Ena Kadic mehr Zurückhaltung bei der Veröffentlichung von Bildern von Unfallopfern. Mehrere Medien zeigten im Oktober ein Bild der Verunfallten an der Absturzstelle, in dem sie von Ersthelfern versorgt wird. Dieses Foto verletze die Menschenwürde, urteilte der Senat.

  Denn auch wenn an Kadics Tod gewisses öffentliches Interesse bestehe und sie eine Zeit lang am öffentlichen Leben teilgenommen habe, dürfe nicht jedes Bild der Ex-Miss gezeigt werden. Der Moment eines schweren Unfalls - Kadic stürzte am Bergisel in Innsbruck ab - zähle zur Intimsphäre. Daher sei die Veröffentlichung des Fotos "bedenklich und verantwortungslos", so das Gremium.

  "Derartige Bilder befriedigen nur die Sensationsinteressen der Leserinnen und Leser. Die Vorgaben des Ehrenkodex zum Schutz der Persönlichkeit sind hier klar überschritten worden", heißt es in der am Freitag veröffentlichten Entscheidung. Auch den Angehörigen von Kadic sei eine Veröffentlichung nicht zumutbar. Der Presserat appellierte daher an die Medien, künftig den Persönlichkeitsschutz von Unfallopfern zu achten.