Jack Ma, Gründer von Alibaba, der größten IT-Firmengruppe Chinas, kauft sich eine Zeitung. - © ap
Jack Ma, Gründer von Alibaba, der größten IT-Firmengruppe Chinas, kauft sich eine Zeitung. - © ap

Peking. (red) Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird, sagt ein altes, klingonisches Sprichwort. Jack Ma ist kein Klingone, doch als Chinese mit gutem Gedächtnis dürfte er sich bestimmt daran erinnern, dass er der "South China Morning Post" (SCMP) 2013 ein verhängnisvolles Interview gegeben hatte. Der Mann, der in der Volksrepublik zum Synonym für innovatives Unternehmertum geworden ist, sprach damals mit dem englischsprachigen Traditionsblatt aus der Sonderverwaltungszone Hongkong, also einem Vertreter der freien Presse. Das musste Ärger geben.

Es ging in dem Gespräch um Mas Aufstieg vom gescheiterten Englischlehrer zu einem der reichsten Männer Asiens, um den Erfolg seines Unternehmens Alibaba, zu diesem Zeitpunkt längst die größte IT-Firmengruppe Chinas, und schließlich um die Niederschlagung der Demokratiebewegung in China 1989. Eine Frage, die auf dem Festland undenkbar wäre. Verblüfft versuchte Ma, Deng Xiaoping als Verantwortlichen für den blutigen Militäreinsatz zu verteidigen: "Es war keine perfekte Entscheidung, aber zu der Zeit war es die beste Entscheidung", erklärte das Mitglied des Nationalen Volkskongresses. Offensichtlich ein wenig zu halbherzig; unmittelbar nach der Drucklegung kam das Dementi: Alles falsch, so sei das nie gesagt worden, die Aussagen wären aus dem Zusammenhang gerissen.

Deal soll bereits
beschlossene Sache sein


Zwei Jahre später. Jack Mas Vermögen beläuft sich mittlerweile auf 22,7 Milliarden US-Dollar, womit er auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt Platz 33 belegt. Und er ist auf Shoppingtour. Nach dutzenden Online-Start-ups, Filmportalen und Finanzdienstleistern steht nun erstmals ein Medienunternehmen auf der Einkaufsliste, das nicht dem chinesischen Festland zuzuordnen ist: die "South China Morning Post". Ja, es gäbe ein Angebot, bestätigte Robin Hu, Chef der SCMP-Gruppe, ohne den Namen des potenziellen Käufers zu erwähnen. Vorsorglich schrieb er, dass die Überlegungen in einer "sehr frühen Phase" seien und nur "minimale Störungen" des Mediengeschäfts zu erwarten seien. Doch nach Angaben von Bloomberg soll der Deal beschlossene Sache sein - womit auf mehreren Ebenen ein Paradigmenwechsel eingeläutet wird.

Schließlich handelt es sich bei der "SCMP" um eine international renommierte Zeitung, die auf eine wechselhafte, 112 Jahre währende Geschichte zurückblickt. Hinter der Gruppe steht derzeit noch der malaysische Milliardär Robert Kuok, der seine Anteile vom Medienmogul Rupert Murdoch gekauft hatte. Trotz eines schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfelds ist es der Zeitung in den letzten Jahren immer wieder gelungen, mit kritischem Investigativjournalismus für Furore zu sorgen. Vor allem hatte das Blatt stets feine Antennen für die kleineren und größeren Katastrophen im Zhongnanhai, dem verschwiegenen Regierungssitz der Kommunistischen Partei in Peking. Der spektakuläre Fall des einstigen KP-Hoffnungsträgers Bo Xilai, die Untersuchungen gegen den ehemaligen Polizeiminister Zhou Yongkang, die ersten Anzeichen für die sogenannte "Regenschirm-Revolution" von Hongkong im letzten Jahr - all diese Geschichten standen meist zuerst in der "South China Morning Post". Neben hervorragenden Journalisten war dies vor allem deswegen möglich, da in der Sonderverwaltungszone Hongkong - im Gegensatz zum Festland, wo Medien an der Kandare der Zensur hängen - Pressefreiheit garantiert ist. Die Sorge um dieses Recht war auch einer der Gründe, warum die Bürger von Hongkong im letzten Jahr massenweise auf die Straße gingen, um das Finanz- und Wirtschaftszentrum wochenlang lahmzulegen.