Peter Grimes! Peter Grimes!" Wenn die Dorfbevölkerung den Namen des Außenseiters ruft und dabei wie ein Scharfrichter klingt, ist das üble Ende schon abzusehen: Grimes, ein verschlossener, grimmiger Fischer mit fatalem Pech - sein erster Lehrknabe ertrinkt auf See, der zweite stürzt von einer Klippe -, wird letztlich selbst zu Tode kommen. Getan wird es niemand haben, recht aber ist es jedem in der kleinen, sittsamen Gemeinde an der Ostküste Englands. Weit draußen auf See, da versinkt ein Fischerboot mit dem mutmaßlichen Mörder. Danach geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Die Macht der Masse hat über das widerspenstige Individuum gesiegt.

Wollte man so eine Geschichte ausgerechnet nach dem Zweiten Weltkrieg hören? Seltsam, aber: Benjamin Brittens "Peter Grimes", am 7. Juni 1945 im Londoner Sadler’s Wells Theatre uraufgeführt, wurde für den damals jungen Komponisten zum Durchbruch. Mehr noch: Sein "Grimes" verschaffte auch der englischen Oper, um die es seit Henry Purcell mehr oder weniger still geworden war, neue Relevanz. Vater dieses Erfolgs war nicht nur eine Handlung, die durch Mark und Bein geht, sondern auch die Musik. Britten, 1913 selbst an der englischen Ostküste geboren, komponierte die Oper mit einer Bühnenpranke, die keine Minute Langeweile zulässt. Dabei bediente sich Britten einer Klangsprache, die Dissonanzen nicht scheut und in den Dienst der Spannung stellt, aber auch Momente von heiler Harmonie auskostet und stets mit einer feinen Palette an Klangfarben arbeitet - nicht zuletzt in den orchestralen Zwischenspielen, in denen das Meer förmlich zu riechen ist.

Das Theater an der Wien bringt am Samstag nun eine Neuproduktion von "Peter Grimes" heraus. Für die Regie zeichnet mit Christof Loy ein alter Bekannter verantwortlich, der hier in den Vorjahren die (ebenfalls nah am Wasser gebauten) Werke "La straniera" und "La donna del lago" inszeniert hat. Im Orchestergraben leitet Cornelius Meister das ORF-RSO-Wien. Nach der Absage von Kurt Streit wird der kanadische Tenor Joseph Kaiser die Titelfigur verkörpern; im aussichtslosen Kampf gegen den Kleinstadt-Mob steht ihm Agneta Eichenholz als gütige Lehrerin Ellen Orford zur Seite.