Straßburg. Der inhaftierte saudiarabische Blogger Raif Badawi ist am Mittwoch in Straßburg mit dem Sacharow-Preis des EU-Parlaments "für die geistige Freiheit" ausgezeichnet worden. Seine Ehefrau Ensaf Haidar hat die Auszeichnung stellvertretend für ihren Mann entgegengenommen. Das Europäische Parlament forderte Badawis sofortige Freilassung.

"Im Namen von uns allen fordere ich erneut König Salman bin Abdulaziz al-Saud auf, Raif Badawi zu begnadigen und ihn sofort und ohne Auflagen freizulassen", verlangte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, bevor er den Preis unter Standing-Ovations der Abgeordneten und minutenlangem Applaus Ensaf Haidar übergab. Die Ehefrau des inhaftierten Bloggers rief in ihrer Dankesrede zu einer Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge auf.

"Raif ist kein Verbrecher"

"Es ist für mich eine große Ehre, hier vor ihnen sprechen zu dürfen. Ich hätte gerne gehabt, dass mein Mann den Preis persönlich in Empfang nimmt", sagte Ensaf Haidar. "Raif ist kein Verbrecher", bekräftige seine Ehefrau. "Er hat niemanden verletzt, er ist ein Freidenker. Ihm wird vorgeworfen, dass er seine Stimme frei erhoben hat", sagte sie. "Er träumt von einer besseren Welt, die Andersdenkende akzeptiert." Die Preisverleihung im EU-Parlament bezeichnete sie als "historischen Augenblick". Es sei bereits die 15. Auszeichnung, "die mein Mann innerhalb eines Jahres bekommen hat". "Ich hoffe sehr, dass wir Raif Badawi in naher Zukunft persönlich hier im Plenarsaal empfangen können", konstatierte Schulz.

"Wir fordern die saudischen Behörden auf, die systematische Unterdrückung von friedlicher Meinungsäußerungen zu beenden", sagte Schulz. Außerdem müsse Saudi-Arabien seiner Zusage nachkommen "und das System der männlichen Vormundschaft gegenüber Frauen endlich abschaffen, das gehört nicht ins 21. Jahrhundert", forderte der EU-Parlamentspräsident. Europa sei zum Dialog bereit, ein solcher "zwischen der EU und Saudi-Arabien könnte dazu beitragen, die Lage zu verbessern", betonte Schulz.

Othmar Karas verurteilt Isolationshaft

Der ÖVP-Europaabgeordnete Othmar Karas verurteilte in einer Aussendung, dass Saudi-Arabien Badawi daran hinderte, an der Verleihung des Sacharow-Preises an ihn teilzunehmen, und ihn in Isolationshaft verlegt hat. Die Isolationshaft sei "ein Schlag ins Gesicht der Menschenrechte", sagte Karas.

Die Preisverleihung soll ein Umdenken in Saudi-Arabien befördern, sagte der SPÖ-EU-Abgeordnete Josef Weidenholzer. "Mein größter Wunsch ist, dass Raif Badawi unverzüglich freigelassen wird und zu seiner Frau und seinen Kindern reisen darf", so Weidenholzer. "Die Einhaltung der Menschenrechte müssen Prüfstein für unsere Beziehungen zu Saudi-Arabien sein. Wir drängen unmissverständlich darauf, dass die Menschenrechte eingehalten werden", erklärte der Parlamentarier.