In einem Sketch für eine Benefiz-Sendung hat sich die "Downton-Abbey"-Belegschaft vor dem endgültigen Serienfinale noch einmal so richtig selbst durch den Afternoon-Tea gezogen. Lord Grantham veranstaltet da ein Casting für einen Weihnachtsmann und als Butler Carson sich und seine frühere Zirkuskarriere präsentiert, meint der Lord: "Es sind Momente wie dieser, die mich daran erinnern, was für eine farbenfrohe Vergangenheit unsere Bediensteten doch haben." Lady Isobel sagt dazu: "Das ist gut so, wen sollte Butler Thomas sonst erpressen." Und der Lord fügt trocken hinzu, mit Blick auf seine jüngste Tochter, "Ja, was wären wir ohne Erpressung und unvorhergesehene Schwangerschaften."

Das bringt die beliebte britische Serie tatsächlich inhaltlich recht gut auf den Punkt. Am Weihnachtstag wird in Großbritannien die allerletzte Folge von "Downton Abbey" gesendet. Zumindest eine ist nicht besonders traurig: Schauspielerin Maggie Smith, die die alte Lordswitwe Violet zur Kultfigur gemacht hat, hat schon angemerkt: "Das wäre nicht mehr ewig so weitergegangen. Sie müsste mittlerweile doch mindestens 110 Jahre alt sein!"

Defätismus ist Mittelklasse


Die schnittig-sarkastischen Kommentare und ausgefeilten Beleidigungen der Dowager, wie ihr korrekter Titel im englischen Original lautet, sind ein wichtiger Treibstoff für den Kultfaktor der Serie gewesen. Der Siegeszug dieser Zitate begann mit der Frage, die nur ein Mitglied alten Adels seine Bediensteten fragen kann: "Was ist ein Wochenende?" und führte weiter über so ewiggültige Sinnsprüche wie "Vulgarität ist kein Ersatz für Schlagfertigkeit" zu Zurechtweisungen wie "Sei nicht defätistisch. Das ist so Mittelklasse."

Mit einem Schicksalsschlag begann "Downton Abbey" vor fünf Jahren, und es sollte nicht der letzte bleiben. Damals war der Erbe von Lord Grantham auf der "Titanic" umgekommen, was die Suche nach einem neuen Stammhalter in Gang setzte. Es folgten in dieser Soap Opera de Luxe allerlei dramatische Wendungen (in einer Staffel starben sogar in grausamer Häufung zwei Hauptpersonen/Familienmitglieder!), umrankt von historischer Begleitmusik wie dem Kampf um Frauenrechte und technischen Errungenschaften wie dem Telefon (Zitat der Dowager: "Erst Elektrizität, nun ein Telefon - langsam fühle ich mich wie in einem H.G.-Wells-Roman.")

Während man sich im Obergeschoß also mit den alltäglichen Adelsproblemen herumschlug, erlebte im Keller das Personal das gesamte emotionale Spektrum und hatte mit Butler Thomas auch einen elaborierten Intriganten im Ensemble. Dessen Wirken sich durchaus auch als verbindendes Element zwischen den Klassen erwies. Über fast zwei Jahrzehnte wird sich die Serie gespannt haben, wenn die allerletzte Folge gesendet wird. Und es ist eine geschichtliche Periode, die im Mainstream-Fernsehen bisher nicht über die Maßen beleuchtet wurde - die Schützengräben des Ersten Weltkriegs waren bis dahin nicht als Quotenbringer beim TV-Publikum bekannt, auch die Zwanziger Jahre zeigte "Downton" in einer anderen Form als mit dem üblichen "Der Große Gatsby"-Filter.