London. Wenn sich das Jahr zu Ende neigt, sind britische Regierungschefs gefragte Gäste. Einladungen zu vielerlei Festivitäten landen auf David Camerons Tisch. Der Tory-Premier wusste jedoch haargenau, welcher Party er Priorität einräumen würde. Wenn Rupert Murdoch und Jerry Hall als Gastgeber rufen, kann der konservative Premier, der seit jeher ein exzellentes Verhältnis zum australischen Medienbaron pflegt, nicht fehlen. Und so wurde gefeiert wie in alten Zeiten, als hätte es die Abhör-Skandale um Murdochs Boulevardblätter nie gegeben.

Bekanntschaft hatten Cameron und der Medienmogul natürlich schon viel früher geschlossen. Wie zu Camerons vier Vorgängern hielt Murdoch auch zu deren Nachfolger engen Kontakt. 2010, als Cameron zum ersten Mal gewählt wurde, ließ Rupert es sich nicht nehmen, Dave persönlich zu gratulieren. Damals wurde er diskret durchs Hintertürchen der Downing Street geführt: Damit die Öffentlichkeit nicht zu viel Anstoß an der engen Verbindung nahm.

Murdochs Leute gingen damals ein und aus im Regierungsviertel. Murdochs Geschäftsführerin in London, Rebekah Brooks, war gut befreundet mit Cameron. Doch das alles änderte sich in den folgenden Monaten, als der Hacking-Skandal Murdochs Empire erschütterte, Brooks vor Gericht landete und Murdochs Sohn James nach New York zurückgeholt werden musste - weil in London ein Strafverfahren gegen ihn zu befürchten stand.

Beim Hacking-Skandal ging es ja darum, dass Redakteure der britischen Boulevardblätter Murdochs zusammen mit angeheuerten Detektiven jahrelang die Telefone von hunderten von Mitbürgern angezapft hatten, um sich illegal private Informationen zu verschaffen. Nach der Enthüllung der Affäre durch den "Guardian" musste Murdoch das 168-jährige Sonntagsblatt "News of the World" schließen und seinen Anspruch auf völlige Übernahme des Satellitensenders Sky vorerst aufgeben. Er verlor einige seiner wichtigsten Manager und jede Menge Reputation.

Neun Journalisten wurden in der Folge verurteilt, und Murdochs Unternehmen News Corp drohten diesseits wie jenseits des Atlantik Prozesse. Über 330 Millionen Pfund an Strafen und Schadenersatz-Zahlungen zahlte die Mutter der Medien, Murdochs News Corp. aus. Murdoch selbst wurde vor den Medienausschuss des Unterhauses geladen. Mit brüchiger Stimme erklärte er damals: "Noch nie im Leben bin ich irgendwo so demütig erschienen wie heute hier."