• vom 06.02.2016, 11:00 Uhr

Medien

Update: 06.02.2016, 11:16 Uhr

Fernsehen

Sex, Songs und Sternschnuppen




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Von Barbara Dürnberger

  • Im neuen Österreich-"Tatort" untersuchen Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer den Mord an einem Musikmanager.

Harald Krassnitzer (Moritz Eisner) und Adele Neuhauser (Bibi Fellner) im neuen Austro-"Tatort".

Harald Krassnitzer (Moritz Eisner) und Adele Neuhauser (Bibi Fellner) im neuen Austro-"Tatort".© orf Harald Krassnitzer (Moritz Eisner) und Adele Neuhauser (Bibi Fellner) im neuen Austro-"Tatort".© orf

Es sieht alles nach einem Unfall aus: Nackt und beinahe schon kunstvoll drapiert, wird der bekannte Musikmanager und Jurymitglied der TV-Talentshow "Sing Your Song", Udo Hausberger, tot in seiner Villa aufgefunden. Er wurde stranguliert, offenbar aber mit vollster Zustimmung. Ein missglückter Unfall während eines extremen Sexspiels also.

Erst die Obduktion beweist anderes: In der Luftröhre des Opfers wird ein zerknüllter Zettel gefunden, der zum Ersticken geführt hat. Eine etwas ungewöhnliche Mordwaffe, und dennoch wird aus dem vermeintlichen Unfall plötzlich Mord. Erste Recherchen führen die Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sinngemäß zu einem Sexualtherapeuten, der die beiden vom erotischen Mehrwert eines Orgasmus mit gleichzeitiger Strangulation überzeugen will.


Unschlüssig suchen sie danach jenen Privatsender auf, bei dem "Sing Your Song" produziert wird. Das Timing stimmt. Kandidat Aris Graf (Rafael Haider) singt auf der Bühne soeben jenen Song, der ihm im Finale den Sieg einbringen soll. Es ist kein Cover, sondern ein eigens komponiertes Lied, dessen Text ausgerechnet auf jenem Zettel nachzulesen ist, der Hausberger schlussendlich das Leben kostete.

Der Kreis der Verdächtigen wird immer größer. Da wäre zum einen Aris, der von Hausberger im Gegenzug für den Sieg in der Show zu gefährlichen Sexspielen gedrängt wurde. Oder die Mutter des jungen Sängers, die ihren Sohn vor den Abgründen des Showbusiness bewahren will. Selbstverständlich hätte auch die gedemütigte Ehefrau ein ausreichendes Motiv. Aber eben auch ein Alibi: Sie verbrachte die besagte Mordnacht im Bett ihres jungen Geliebten Benny (Michael Steinocher).

Zu guter Letzt gibt es da noch die Urheberin des Songtextes: Vera Seiler (Sabrina Rupp) wurde einst auch eine große Karriere versprochen, und auch sie fügte sich Hausbergers Forderungen, sowohl privater als auch beruflicher Natur. Bis dieser sie dann fallen ließ und der jungen Frau neben ihrer beginnenden Karriere auch noch jenen viel zitierten Songtext gestohlen hat. Vera ist daran zerbrochen und mittlerweile depressiv und selbstmordgefährdet. Sie teilt das Schicksal vieler jungen Künstler, die, ähnlich wie eine Sternschnuppe, nach kurzem Aufscheinen am Musikhimmel wieder verglüht sind.

Diesem Thema widmet sich nun der gleichnamige neue Austro-"Tatort: Sternschnuppe" (So., 20.15 Uhr, ORF2/ARD) und zeigt auf, wie verlogen und herausfordernd das Musikgeschäft für junge Talente sein kann. Drehbuchautor Uli Bree kann solchen TV-Formaten, die angeblich das große Sprungbrett für die erfolgshungrigen Künstler liefern sollen, selbst wenig abgewinnen: "Der einzige Gewinner bei der Show ist der Sender." Vor allem in der Zeit danach kümmere man sich viel zu wenig um das Seelenwohl der Kandidaten: "Von einem Tag auf den anderen stehst du auf der Bühne, im Blitzlicht, gibst Autogramme. Und wenn du es nicht schaffst, sitzt du wieder alleine am Klo. Das ist für einen jungen Menschen ein Riesenproblem."

Resümierend ist es trotz des ambitionierten Themas einer der schlechteren "Tatorte" aus Österreich. Der Blick hinter die Kulissen des Musikbusiness ist teilweise zu zynisch, zu klischeebeladen. Zwar ist die Chemie zwischen Neuhauser und Krassnitzer nach wie vor unterhaltsam, sie alleine reicht in diesem Fall aber nicht aus, um über die Schwächen in der gesamten Umsetzung hinwegzutäuschen. Obwohl es lobenswert ist, dass sich der "Tatort" mit diesem Fall auch öffentlichkeitswirksam den Problemen vieler junger Künstler in Österreich widmet, gewinnt der sexuelle Aspekt leider schnell die Überhand. Und das nicht nur den Fall betreffend - die Kommissare bleiben ebenfalls nicht verschont. Wie zwei hormongesteuerte Teenager wirken sie szenenweise. Während Bibi nach einem gescheiterten One-Night-Stand (platonischen) Trost in den Armen ihres Kollegen sucht, geht dieser sogar so weit, sich mit einer Verdächtigen zu verabreden. Und wenn es nicht Taten sind, dann wird der Sex eben in stellenweise durchaus amüsante Dialoge eingebaut. Verkauft sich ja gut. Es hätte aber gerne weniger sein dürfen.




Schlagwörter

Fernsehen, Tatort

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-02-05 15:35:06
Letzte Änderung am 2016-02-06 11:16:09



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