• vom 16.02.2016, 16:49 Uhr

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  • Medienbehörde gibt einen langsamen Startschuss für die Digitalisierung des terrestrischen Radios.

Radiostudios sind natürlich längst digital, doch die Sender arbeiten in Österreich noch analog wie eh und je. - © Corbis

Radiostudios sind natürlich längst digital, doch die Sender arbeiten in Österreich noch analog wie eh und je. © Corbis

Wien. (bau) Der Begriff "Digitales Radio" löst in Österreich bisweilen Verwirrung aus. Schließlich ist digitales Radio heutzutage auf dem Smartphone nur eine App entfernt. Auch via Kabel und Sat läuft Radio selbstverständlich digital und nicht analog. Doch wenn die Medienbehörde nun eine Bedarfserhebung für "Digitales Radio" startet, ist das Radio via Antenne gemeint. Denn dieses läuft in Österreich immer noch, wie seit 80 Jahren, in analoger Übertragungstechnik.

Im Mai startete in Wien der Probebetrieb für die digitale Übertragung mit 15 teils neuen Sendern. Nun will die Medienbehörde den Testbetrieb zum Vollbetrieb machen und erhebt den Bedarf an der Verbreitung von österreichweitem digitalen Hörfunk (im Standard DAB+). Sie hat bestehende und potenzielle Radioveranstalter und Multiplex-Betreiber aufgerufen, ihr Interesse an bundesweiten, regionalen und lokalen Digital-Programmen bis 15. März anzumelden.


Ziel der Bedarfserhebung sei es, "die strategische Ausrichtung der Hörfunkplanung der KommAustria in Entsprechung des Digitalisierungskonzepts 2015 umzusetzen sowie Interessenten ausfindig zu machen, die ernsthaft den Aufbau und den Betrieb von digitalem Rundfunk im Standard DAB+ in Betracht ziehen", teilte die Medienbehörde mit. Weiters geht die KommAustria davon aus, "durch die Befragung Informationen zu den Bedürfnissen der Marktteilnehmer in Hinblick auf Übertragungskapazitäten und eine Einschätzung der Marktteilnehmer bezüglich der Erfolgschancen der neuen Verbreitungssysteme zu erhalten".

Im laufenden Testbetrieb sind 15 Radioprogramme on air. Neben bestehenden Sendern wie Radio Arabella, Radio NRJ oder Lounge FM strahlen dabei auch zehn neue Programme über den Digital-Standard DAB+ aus. Viele sind engagierte Spartenkanäle, etwa der Evangeliumsrundkfunk ERF mit seinem "Now Radio" (mit "christian contemporary format" nach US-Vorbild) oder das Radio der FH Technikum sowie der Verkehrssender des Arbö. Der ORF und der größte heimische Privatsender Kronehit machten dabei bisher nicht mit. Die Platzhirschen wollen den Umstieg von analogem auf digitales Radio offenbar möglichst lange hinauszögern, um ihre Marktanteile nicht zu gefährden, und forcieren stattdessen den Ausbau ihrer Internet-Radio-Angebote. Kronehit startete mit einer Reihe weiterer Privatradios den Radioplayer Austria. Der ORF arbeitete zugleich an der Entwicklung einer eigenen Radiothek.

Zunächst Parallelbetrieb
Mit dem Digitalisierungskonzept der KommAustria sollen spätestens im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen für digitalen terrestrischen Hörfunk im DAB+-Standard ausgeschrieben werden, damit spätestens 2018 - parallel zur UKW-Verbreitung - der Regelbetrieb laufen kann. Neben Wien sollen weitere Hörfunkcluster im Osten Österreichs sowie in den Landeshauptstädten entstehen, die entlang der Hauptverkehrsadern zusammenwachsen. So soll im Großteil Österreichs Digitalradio zu empfangen sein. Im Endausbau wären 24 bis 30 bundesweite Radioprogramme in Österreich denkbar.

Mit der Abschaltung von UKW ist aufgrund des Widerstands etlicher Marktteilnehmer in Österreich nicht vor 2024 zu rechnen. Triebfeder dabei ist auch der Elektrogerätehandel, der sogar einen eigenen Lobbyingverband gegründet hat, um die Umstellung auf digitales Radio zu promoten. Digitales Radio bietet mehr Vielfalt an Programmen, Zusatzdienste und Interaktivität sowie bessere Empfangsqualität. Schlüssel dazu ist, dass pro Frequenz mehr als ein Radioprogramm übertragen werden kann. Dadurch würde die Frequenzknappheit aufgehoben werden. Das senkt zudem die Kosten für mögliche Betreiber, die sich dann einen Sender teilen.




Schlagwörter

Medien, Radio, Digital

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