Peking. (red) Es war das dominierende Thema der diesjährigen Oscar-Verleihung: der Rassismus in Hollywood und die Diskriminierung schwarzer Schauspieler. Doch während Moderator Chris Rock mit spitzen Pointen gegen die Benachteiligung Schwarzer ankämpfte, schien er umgekehrt wenig Probleme damit zu haben, seine Witze auf Kosten von Asiaten zu machen.

So brachte er etwa drei asiatische Kinder auf die Bühne, die er als "Banker" von PriceWaterhouseCoopers vorstellte, womit er zwei weit verbreitete Stereotype bediente - das angebliche Rechentalent und die Kinderarbeit auf dem Kontinent. Bei den Angesprochenen kam der Witz naturgemäß nur mäßig an. Jeremy Lin, NBA-Basketballstar taiwanischer Herkunft, twitterte, er sei es leid, dass "das Draufhauen auf Asiaten ‚cool‘ und ‚okay‘ sein soll". Und Mee Moua, Präsidentin einer Vereinigung von US-Asiaten mit Sitz in Washington, beklagte, die Show sei ein Rückschlag für Vielfalt und Gleichberechtigung gewesen: "Rassenbeziehungen sind keine Einbahnstraße von Schwarz und Weiß."

Bezeichnend war auch der Mangel an Beiträgen aus Asien bei der diesjährigen Gala. 15 Jahre ist es nun her, als "Tiger & Dragon" als erster chinesisch-sprachiger Film überhaupt einen Oscar gewonnen hat. Das Werk gilt seitdem als Vorlage und Messlatte für Martial-Arts-Filme und machte Regisseur Ang Lee zum Vorbild, wie man Kunst und Kommerz miteinander verknüpfen kann.

So erfolgreich das preisgekrönte Spektakel in der westlichen Welt auch lief, in China selbst geriet es zu einem mittelschweren Flop - was damals nicht weiter ins Gewicht fiel, da der chinesische Filmmarkt um die Jahrtausendwende noch im tiefen Dornröschenschlaf lag. Das hat sich mittlerweile geändert: Die Volksrepublik ist heute der zweitgrößte Filmmarkt der Welt und dürfte die USA spätestens 2020 überholen. Kein Wunder daher, dass sich die Strategen sowohl in Hollywood als auch im Reich der Mitte die Köpfe zerbrechen, wie sie das Publikum auf dem jeweils anderen Kontinent für sich gewinnen können.

Netflix floppte brutal


Offensichtlich fällt es ihnen schwer, darauf eine Antwort zu finden. Das beste Beispiel ist nun ausgerechnet die Fortsetzung von "Tiger & Dragon" mit dem Titel "Sword Of Destiny". Von der Originalbesetzung ist nur noch die malaysische Schauspielerin Michelle Yeoh als philosophische Schwertkämpferin zu sehen, auf dem Regiesessel hat der Martial-Arts Veteran Yuen Woo-ping aus Hongkong Platz genommen. Die Kritiken auf das von Netflix in Auftrag gegebene Sequel fielen sowohl in China als auch in den USA vernichtend aus. Während westliche Kritiker vor allem die dramaturgisch unlogische Aneinanderreihung seelenloser Action-Sequenzen monierten, rieben sich die Chinesen am Drehbuch des US-Amerikaners John Fusco, der zuvor schon für die Netflix-Serie "Marco Polo" zuständig war.

Dieser habe demnach die fantastische "Wuxia"-Welt Chinas nicht verstanden und hätte eher einen Western in asiatischen Kostümen geliefert. Dass die Schauspieler - darunter auch Action-Profi Donnie Yen - Englisch sprechen und in den Kinos mit chinesischen Schriftzeichen untertitelt werden, trieb die heimischen Kinobesucher auf die Palme.

Dass Hollywood die Vorlieben der Kinobesucher im Reich der Mitte nicht wirklich einordnen kann, zeigt vor allem auch "The Mermaid", der mittlerweile erfolgreichste chinesische Film aller Zeiten. Innerhalb von nur drei Wochen hat die Fantasy-Komödie von Stephen Chow sagenhafte 423 Millionen Euro eingespielt. Doch als der Film vergangene Woche in 35 ausgewählten US-Kinos anlief, wussten nicht einmal die zuständigen Sony-Promoter von der Premiere. Eine Fehleinschätzung: Insbesondere US-Asiaten stürmten die völlig ausverkauften Kinos, pro Vorstellung wurden durchschnittlich 27.000 Euro eingenommen - doppelt so viel als die Durchschnittserlöse des Blockbuster-Spitzenreiters "Deadpool". Kein Wunder daher, wenn selbst Chinas Immobilien- und Kinomagnat Wang Jianlin den Anbiederungsversuchen Hollywoods gegenüber seiner Heimat skeptisch gegenübersteht: "Der Westen respektiert die chinesischen Verbraucher nicht."