München. "Wie lange machen wir das jetzt hier schon?", fragt Hauptkommissar Ivo Batic am Beginn der neuen Münchner "Tatort"-Episode mit dem Titel "Mia san jetz da wo's weh tut". "Zu lang", so sein Kollege Franz Leitmayr. Und: "Wenn ich was hass', dann so ein Dienstjubiläum - und womöglich so einen g'schissenen Champagner dazu." Mit der Folge am 3. April begehen die beiden trotzdem ihr 25-Jahr-Jubiläum.

Die Münchner "Tatort"-Ermittler sind damit nach Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) die dienstältesten amtierenden Kommissare. 1991 tauchten die Schauspieler Miroslav Nemec (Batic) und Udo Wachtveitl (Leitmayr) zum ersten Mal als Kommissar-Duo im ARD-Krimi auf. "Animals" hieß der Film damals. Es ging um die mörderische Auseinandersetzung zwischen Gegnern und Befürwortern von Tierversuchen, und das Mordopfer wurde passenderweise durch den Biss eines Kampfhundes getötet.

Mehr als 70 Fälle rund um "Liebe, Sex und Tod" (1997), "Starkbier" (1999), den "Viktualienmarkt" (2000) und "Die letzte Wiesn" (2015) folgten. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks sind seit Amtsantritt der beiden Ermittler über 150 Menschen im Münchner "Tatort" gestorben - das macht im Schnitt mehr als zwei Tote pro Folge. Sieben Assistenten, der langlebigste unter ihnen Michael Fitz als Carlo Menzinger, haben die Kommissare dabei verschlissen. Aktuell im Dienst ist die Nummer acht, Ferdinand Hofer als Kalli.

Batic und Leitmayr hatten in all den Jahren jeweils acht Liebesgeschichten: Batic eine Beziehung und sieben Affären, Leitmayr drei Beziehungen und fünf Affären. Und es gab auch bemerkenswerte Gastauftritte - darunter Rio Reiser, Bela B. von den Ärzten, Rudolph Moshammer, Karl Moik und Die Toten Hosen.

Obwohl den beiden Schauspielern nicht alle Geschichten gefallen haben, wie sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagen (Nemec: ""Sommernachtstraum" war wirklich schlecht!"/ Wachtveitl: "Miserabel war der! (...) Schrecklich fand ich auch "Klang der Toten Dinge", oder wie der hieß - ein Esoterik-Tatort"), gehören die beiden zu den beliebtesten Ermittlern im ARD-Kultformat. Laut Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov aus dem vergangenen Jahr gaben fünf Prozent der befragten "Tatort"-Fans die Münchner als ihr Lieblingsteam an. Das ist Platz drei hinter dem unschlagbaren Münster-Duo Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) (31 Prozent) und den Ermittlern aus Köln (neun Prozent).

Ein "Tatort"- Kinofilm a la Til Schweiger interessiert die beiden trotzdem nicht: "Wer soll wegen uns ins Kino gehen?", meint Wachtveitl im dpa-Interview. Nemec stimmt ihm zu: "Wozu? Warum? Was ist der Sinn der Sache? Wenn bei uns zehn Millionen zuschauen, dann sind das mehr, als ins Kino gehen würden."

In "Mia san jetz da wo's weh tut" geht es um den Mord an einer jungen, rumänischen Prostituierten - ein Routinefall, der eigentlich geklärt zu sein schien. Der geständige Mörder wurde schnell gefunden und verurteilt. Leitmayrs einfache Erklärung: "Milieu, Ivo, schon mal gehört: Er blau, braucht Geld, sie plärrt, Ende." Doch bald fallen Ungereimtheiten und schwere Ermittlungsfehler auf, und die Kommissare rollen den Fall wieder auf, um wieder gut zumachen, was sie einst versäumten. Damit treten sie allerdings eine Tragödie ungeahnten Ausmaßes los und müssen sich bald die Frage stellen, ob sie nicht lieber die Finger von der Geschichte gelassen hätten.

"Manchmal verschlimmert man eine Sache, die man eigentlich reparieren will, durch die Reparaturversuche", sagt Wachtveitl. "Aber geht diese Erkenntnis auch so weit, dass man eine Ermittlung mal auf sich beruhen lässt und nicht mehr nach der Wahrheit sucht?" Nemec fügt hinzu: "Was aber keine wirkliche Frage sein kann in unserem Beruf. Für die Polizisten oder für uns stellt sich diese Frage nicht." Nach so langer Zeit scheinen die Grenzen zwischen Rolle und Schauspieler zu verschwimmen.

Irgendwann im Film sitzen die Kommissare samt Assistenten dann kurz zusammen und trinken einen Espresso - Champagner gibt es nicht. "Wir fanden diese kleine Szene, in der alle schon weg sind und die Kommissare mit Espressi aus Pappbechern anstoßen, gut, damit man sieht: Es geht um die Arbeit und nicht ums Feiern", sagt Nemec. "Ein bisschen hat es auch mit uns zu tun, so wie wir hier sitzen und die ganze Presse kommt und macht uns darauf aufmerksam, dass wir jetzt 25-jähriges Jubiläum haben. Und wir denken: Ist gut jetzt, lasst uns mal weiterarbeiten. Lasst gut sein."