Wie viele Hörer sind dabei, wenn eine Sendung läuft? Die Daten, die das zeigen sollen, wurden offenbar manipuliert. - © Corbis
Wie viele Hörer sind dabei, wenn eine Sendung läuft? Die Daten, die das zeigen sollen, wurden offenbar manipuliert. - © Corbis

Wien. Offiziell war man am Dienstag um Fassung bemüht, inoffiziell ist in der heimischen Radiolandschaft nichts mehr, wie es vorher war. Denn der Radiotest, der misst, wie viele Menschen einen Sender hören, wurde offenbar bereits im ausführenden Meinungsforschungsinstitut GfK manipuliert. Offiziell spricht man in der gemeinsamen Meldung der Privatradios und des ORF davon, dass der Radiotest "fehlerhaft" ist. Es geht um Abweichungen von ein bis drei Prozentpunkte bei manchen Sendern und einen Zeitraum von zumindest vier Jahren.

Das mag zwar nicht nach viel klingen, doch hinter den harmlosen Zahlen steckt sehr viel Geld. Denn der Preis, den die Sender für eine Sekunde Radiowerbung verrechnen, hängt direkt davon ab, wie viele Menschen zu diesem Zeitpunkt zuhören. Um das festzustellen, gibt es den Radiotest, eine extrem umfangreiche Meinungsbefragung, die 24.000 Menschen pro Jahr nach ihren Hörgewohnheiten befragt.

Doch diese Zahlen sind falsch. Das hat GfK seinen Auftraggebern, den privaten Radiosendern und dem ORF am Montag mitgeteilt. Und das möglicherweise schon seit vielen Jahren. Dem Vernehmen nach wurden die Zahlen, die die Interviewer meldeten, bereits in der Auswertung bei GfK verändert, um zwar "nach dem Bauchgefühl" der damit befassten Mitarbeiter, sagen eng mit der Sache befasste Menschen der "Wiener Zeitung". Im Umfeld eines Werbevermarkters spricht man gar von einer "terroristischen Zelle" bei GfK, die die Manipulationen vorgenommen haben sollen. Derzeit geht man davon aus, dass kein Geld im Spiel war, sondern das Motiv so gelagert war, dass man "plausible Zahlen" liefern wollte. Korruption sei dabei auszuschließen. Aufgeflogen ist die Sache nach einer internen Meldung im Jänner.

Bei den Vermarktern ist man derzeit dabei, die Originaldaten zu vergleichen. Im Jahr 2015 fand man dabei Abweichungen von bis zu drei Prozent zugunsten von Ö3 und zwei Prozent zugunsten der ORF-Regionalradios. Leidtragende waren die Privatradios, für die zu niedrige Werte ausgewiesen wurden. Finanziell bedeutet das in der Logik des Werbeverkaufs, dass Ö3 zu teuer und die Privatradios zu billig verrechnet haben.

"Umfassende Richtigstellung"

Ein Schaden, der möglicherweise noch zu finanziellen Forderungen gegenüber der GfK führen wird. Für 2014 und die Vorjahre sowie für die einzelnen Zielgruppen wurde den Sendern bislang noch keine neuen Daten vorgelegt, wie man gegenüber der "Wiener Zeitung" beklagt. "Wir wissen also nicht ob es 2014 null oder zehn Prozent waren", heißt es.

Dass die Fehler zugunsten von Ö3 und zulasten der Privatradios passiert sind, findet man beim Privatradioverband VÖP "extrem unerfreulich", wie es Geschäftsführerin Corinna Drumm formuliert. "Es ist im Interesse der ganzen Branche, dass diese Fehler korrigiert werden." Für Ernst Swoboda, Geschäftsführer von Kronehit "steht GfK als weitere Betreiber des Radiotests zur Disposition".

Bei GfK in Wien verweist man auf Anfrage zu GfK nach Nürnberg. Dort ortet Pressesprecher Jan Saeger "berechtigten Unmut" bei den betroffenen Radiosendern in Österreich. "Wir bedauern die Fehler in den Daten sehr und sichern umfassende Aufklärung zu." Personelle Konsequenzen werde man erst nach dem Abschluss der Untersuchung bekannt geben.

Der Radiotest von GfK ist Österreichs größte Untersuchung des
Radionutzungsverhaltens. Laut dem letzten Radiotest für das zweite
Halbjahr 2015 kamen die ORF-Radios auf 72 Prozent Marktanteil, die
Privatradios auf 24 Prozent. Vorerst zumindest.