Wien. Die Taskforce, mit der GfK-Deutschland nun in der Wiener Niederlassung nach dem Skandal der zu Gunsten von Ö3 manipulierten Radiotest-Daten klar Schiff machen will, scheint keine halben Sachen zu machen. Am Mittwoch trat Alexander Zeh, Geschäftsführer von GfK Austria, zurück. Das bestätigte die GfK-Konzernpressestelle in Nürnberg. Freilich dementierte GfK einen Zusammenhang mit den Manipulationen beim Radiotest. Ein GfK-Sprecher beteuerte, Zeh habe am Mittwoch in einem Meeting bekannt gegeben, das Unternehmen mit sofortiger Wirkung auf eigenen Wunsch zu verlassen, um sich "neuen Aufgaben mit internationalem Fokus" zu widmen. Zweiter Geschäftsführer ist Thomas Bachl, er leitet GfK nun vorerst alleine.

Keine leichte Aufgabe, nachdem bekannt geworden war, dass die Marktanteile der heimischen Radiosender seit mindestens vier Jahre falsch sind. Mitarbeiter bei GfK hatten offenbar Zahlen, die aus dem Feld kamen, freihändig "nach Bauchgefühl korrigiert". Die Reichweiten der ORF-Radios wie Ö3 oder die Sender der Landesstudios dürften dadurch zu hoch ausgewiesen worden sein, die der Privatsender zu niedrig.

"GfK steht zur Disposition"


Die Privatsender drohen GfK nun mit Schadenersatzklagen. Auch ist nicht mehr klar, ob GfK weiter mit dem Radiotest betraut wird. "Aus kaufmännischer Sicht wäre es geradezu fahrlässig, wenn GfK nicht zur Disposition stehen würde", sagte Kronehit-Geschäftsführer Erich Swoboda der "Wiener Zeitung". Auch beim Vermarktungsunternehmen RMS ventiliert man ähnliche Gedanken. Allerdings stelle sich bei 24.000 jährlichen Interviews auch die Frage der Alternative. Unterdessen ist man beim Verein Media-Analyse alarmiert. Denn auch die Print-Reichweiten der Zeitungen und Magazine werden unter anderem von GfK erhoben. Man will nun die Daten prüfen.