Sie war die erste Journalistin, die eine Tageszeitungskolumne zum Thema Innenpolitik hatte. Helga Rabl-Stadler entschied sich, als es darum ging, den Familienbetrieb, ein Salzburger Modehaus, weiterzuführen, für das Unternehmertum und kehrte als Nationalratsabgeordnete und Interessenvertreterin in die Politik zurück. Das, wofür sie heute vor allem bekannt ist, ist wohl ihre Lieblingsaufgabe: Rabl-Stadler ist seit mehr als 20 Jahren Präsidentin der Salzburger Festspiele, wo sie vielfach nur "die Präsidentin" genannt wird und tatsächlich fast schon so etwas wie eine Institution ist.

Zielstrebig von der Journalistin zur Festspiel-Präsidentin

1970 bis 1974 arbeitete die zielstrebige junge Frau in den Ressorts Wirtschaft und Innenpolitik in den Zeitungen "Die Presse" und "Wochenpresse" und in den Jahren danach als erste weibliche Innenpolitik-Kolumnistin im "Kurier". Anfang der 80er Jahre übernahm sie Teile des Salzburger und Linzer Modehauses Resmann und ging 1983 für die ÖVP in den Nationalrat, wo sie sich bis 1990 für liberalere Ladenöffnungszeiten und für die Verankerung von Sponsoring im Steuerrecht engagierte - ein Fach, das viele Jahre später für Rabl-Stadler noch wichtig werden sollte.

Zuvor aber stand die Salzburger Wirtschaftskammer am Lebensweg der durchsetzungsfähigen Karrierefrau. Dort begann sie 1985 als Vize-Präsidentin und 1988 als Präsidentin. An diesen Titel bereits gewöhnt, übersiedelte sie 1995 in die Direktion der Salzburger Festspiele. "Außer dem Amt des Bundespräsidenten gibt es kein Amt, das ich lieber antreten würde als das Amt des Präsidenten der Salzburger Festspiele", sagte sie damals im Fernsehen. Bis September 2017 wird die "Präsidentin" in Salzburg Helga Rabl-Stadler heißen. Als Festspielchefin - die heuer ihren 68. Geburtstag feiert - hält sich die Anhängerin flexiblerer Arbeitszeiten mit politischen Aussagen zurück.

Als ihre herausragende Leistung an der Spitze der Festspiele gilt die Akquise von Sponsoren. So hat die 1998 mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes ausgezeichnete Festspiel-Repräsentantin allein im Jahr 2007 die Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne sowie den Pharma-Riesen Roche für die Festspiele gewonnen, den Projektsponsor Montblanc für ein zusätzliches Projekt verpflichtet sowie die Verträge mit den Hauptsponsoren Credit Suisse und Audi verlängert. Wie keine andere steht Rabl-Stadler als Vertreterin des alteingesessenen Salzburger Bildungsbürgertums für die Umarmung von Kunst und Geld ohne Berührungsängste. "Man darf von anderen nichts verlangen, was man nicht selber bringt", sagt sie, die in ihrer Position kommerzielle und künstlerische Erfolge erzielen muss, und konstatiert, dass in Zeiten des Religionsverlustes Menschen die Sinnfrage immer mehr mit Kunst und Kultur verbinden.