Wien. (bau) Nach langem Warten ist es nun fix: Die Bedarfserhebung der Medienbehörde hat ergeben, dass es auf bundesweiter und lokaler Ebene 19 Anbieter gibt, die interessiert wären, auf einer digitalen Radiofrequenz zu senden. Für die Medienbehörde ist das ausreichend, um die weiteren Schritte zur Digitalisierung der Radiofrequenzen mit Digital Audio Broadcast (DAB+) in Österreich zu gehen.

Noch im Sommer sollen die Auswahlgrundsätze im Zuge einer Verordnung erstellt werden. Im Jänner 2017 werden dann die DAB-Multiplexe und somit die Frequenzen ausgeschrieben. Ende 2017 soll die Zulassung erfolgen. Die Lizenzen werden daher mit Wirksamkeit von 2018 vergeben, somit können die digitalen Sender ihr bundesweites Angebot starten. Derzeit gibt es bereits in Wien einen DAB-Probebetrieb mit mehr als einem Dutzend Radiosender. Darunter etliche, die derzeit keine UKW-Frequenz haben, was einer faktischen Erweiterung des Angebots im Radiobereich gleichkommt.

Mehr als zehn bundesweite Interessenten haben sich bei der Bedarfserhebung gemeldet: Webradio Allelon, N&C Privatradio, ERF Medien Österreich, RTG, Radio Technikum, Radio Eins, Arbö, Radio Stephansdom, Livetunes, Radio Maria Österreich, Radio Arabella sowie Welle Salzburg und ein weiterer Bewerber, der nicht genannt werden wollte. Für ein regionales Angebot zeigten darüber hinaus folgende Unternehmen Interesse: Herold Business Data, On Air, Radio Tirol Television S.R.L., Freier Rundfunk Oberösterreich sowie Vbg. Regionalradio.

Die großen Radiounternehmen, die derzeit UKW dominieren, allen voran der ORF oder Kronehit, gaben kein Interesse bekannt. Das verwundert nicht. Sie haben kein Interesse an einer raschen Digitalisierung, sondern wollen möglichst lange ihre UKW-Frequenzen weiternutzen. Der ORF fordert zudem zu seinem bisherigen Angebot zusätzliche Programme, was die Privaten ablehnen. Allerdings signalisierte die ORF-Tochter ORS bereits Interesse als Betreiber der Multiplexe.

Vervielfachung des Angebots

Der Chef der Medienbehörde KommAustria, Michael Ogris, gab dennoch den Lizenzstart für 2018 an. Es könnten bis zu drei verschiedene Multiplexe werden. Ein Multiplex bespielt eine digitale Radiofrequenz, kann auf dieser jedoch bis zu 15 verschiedene Programme unterbringen. Somit könnten 15 bis 45 bundesweite Angebote starten. Wie viele bundesweite und regionale Multiplexe entstehen werden, ist offen.

Eine Studie im Auftrag der Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) sieht überraschender Weise eine "schwache Basis für die flächendeckende Verbreitung von österreichweitem digitalen Hörfunk im Standard DAB+". Freilich werden auch Chancen für diesen Digitalstandard und einhergehend für das Medium Radio gesehen. Schlussendlich würden die Hörer über den Erfolg des Digitalradios entscheiden, so ein wesentliches Studienergebnis. Für einen Erfolg bräuchte es ein Programmangebot mindestens auf aktuellen UKW-Niveau, am besten auch darüber hinausgehende Spezialangebote, um Leute zum Umstieg zu bewegen - und entsprechendes Marketing dazu. Auch die Infrastruktur muss errichtet werden und einen möglichst hohen Bevölkerungsanteil abdecken. Zudem müssen Konsumenten zum Kauf von Digitalradiogeräten motiviert werden, heißt es in der Studie.

Förderungen der RTR

Eine lange Förderung werde es nicht geben. Möglich seien, rechnete RTR-Chef Alfred Grinschgl vor, drei Millionen Euro über drei Jahre ab 2018 mit im ersten Jahr 1,5 Millionen und einer Abflachung danach. "Ob es mehr wird, entscheidet die Politik", sagte Ogris dazu. Förderungen gibt es für Radios, die erstmals DAB+ senden, und für einen sogenannten Simulcast-Betrieb, dem Parallelbetrieb von UKW und DAB+. Ein Abschalten der analogen Frequenzen steht auch nach dem Start von DAB+ bis mindestens 2022 nicht zur Debatte.