• vom 08.07.2016, 15:29 Uhr

Medien

Update: 08.07.2016, 15:40 Uhr

Enzyklopädie

Ein Gesicht für Wikipedia




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • In Deutschland hat ein Offline-Büro für das Online-Lexikon eröffnet.

Ist noch lange nicht fertig: Wikipedia.

Ist noch lange nicht fertig: Wikipedia.© Uli Deck/dpa Ist noch lange nicht fertig: Wikipedia.© Uli Deck/dpa

München. Wikipedia ist oft die erste Anlaufstelle, wenn man etwas wissen will. Mehr als zwei Millionen Artikel hat die deutschsprachige Version der Online-Enzyklopädie bereits. In München gibt es jetzt ein eigenes Büro - auch, um neue Autoren zu gewinnen. WikiMUC nennen die Wikipedianer ihr neues Büro in München. Während die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Online-Enzyklopädie in den neuen Räumen noch Kartons auspacken, liegt ein Gefühl von Vorfreude und Aufregung in der Luft. Hier soll mehr entstehen als nur ein Büro: ein Treff- und Stützpunkt, eine Anlaufstelle für alle Interessierten und Wissbegierigen.

Ein großer, langer Tisch bildet das Zentrum des Büros, in dem sich die Wikipedianer treffen. Sie alle schreiben ehrenamtlich für das weltgrößte Online-Lexikon und erweitern mit ihrem Wissen die bekannteste Enzyklopädie im Internet.


Trotz der Online-Affinität sei der Offline-Austausch wichtig. Die lokalen Gruppen würden "Wikipedia ein Gesicht geben", sagt Martin Rulsch von Wikimedia Deutschland, dem Verein hinter der deutschen Wikipedia-Ausgabe. Nach dem Lokal K in Köln und dem Kontor Hamburg ist WikiMUC das dritte Wikipedia-Zentrum in Deutschland.

15-Jahr-Jubiläum
Kevin Golde ist Teil des Münchner Teams. Der 20-Jährige gehört zu den jüngeren Wikipedianern - und schreibt bereits seit neun Jahren. In seinem ersten Artikel widmete sich Golde dem Olympiastadion in der Landeshauptstadt. Irgendwann fiel ihm auf, dass es noch keine Artikel zu den Asterix-Comics gab, und machte sich an die Arbeit. Diverser Filme, Bücher oder Videospiele hat er sich seither angenommen. Bis zu vier Stunden investiert er täglich in seine Texte; es gefällt ihm, zu etwas beizutragen. "Es ist auch schön, wenn die eigene Arbeit vielleicht häufiger gelesen wird als die von einem Goethe."

Dieses Jahr feiert Wikipedia ein Jubiläum: Seit 15 Jahren existiert die deutschsprachige Version. Sie ist mit knapp zwei Millionen Artikeln nach der englischen, der schwedischen und der philippinischen Version die viertgrößte Wikipedia. Rund 6000 aktive Autoren schreiben im deutschsprachigen Raum für die Enzyklopädie. Zwar schwanke die Zahl monatlich, grundsätzlich ginge die Tendenz aber etwas nach unten, heißt es bei Wikimedia. Der Verein geht davon aus, dass deutlich mehr Autoren männlich als weiblich sind.

An dem Tisch im neuen Wikipedia-Büro sitzt auch Patrick Fischer. Der 40-Jährige ist Spezialist für Osttimor. Rund 1600 Artikel gibt es in der Wikipedia zu dem Inselstaat in Südostasien, fast alle stammen von Fischer. Man führe Informationen zusammen wie bei einem Puzzlespiel, sagt der Diplom-Ingenieur und Familienvater. Wissbegierig müsse man sein und "ein kleines Korrektursyndrom sollte man schon haben".

Rüde Diskussionen
Interessierte können nun an drei Tagen in der Woche das Büro im Münchner Glockenbachviertel besuchen. Abends oder am Wochenende veranstalten die Mitglieder dort Workshops und andere Treffen. Hauptverantwortlicher ist Burkhard Mücke, ein Journalist im Ruhestand. Zusammen mit einem kleinen Organisationsteam hat er den Standort in den vergangenen Monaten hochgezogen. Grundsätzlich laufe alles basisdemokratisch, erläutert Mücke.

Und diskutiert wird viel. Das größte Problem der Wikipedia, so finden Fischer und Golde, liege in der teils sehr "rüden" Kommunikation bei der Diskussion über die Artikel. Neue Schreiber würden durch den Ton abgeschreckt. Und die heftige Kritik an ihren Texten bewirke, dass sie keine Lust mehr hätten, sagt Fischer. "Diese Streitkultur muss sich ändern."

Neuen Autoren den Einstieg zu erleichtern, ist ebenfalls ein Ziel des Wiki-Büros. Denn Bedarf an Schreibern gibt es trotz der knapp zwei Millionen Artikel. Es gebe allein "über drei Millionen Lebewesen, die noch nicht beschrieben sind", betont Rulsch.




Schlagwörter

Enzyklopädie, Wikipedia

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-07-08 15:32:09
Letzte Änderung am 2016-07-08 15:40:22


1922 - 2018

Comic-Legende Stan Lee ist tot

20181112Stan Lee - © APAweb / AFP, Getty, Rich Polk Los Angeles. Comic-Legende Stan Lee ist tot: Lee hatte in den 60er Jahren gemeinsam mit dem Marvel-Verlag das Superhelden-Genre revolutioniert... weiter




Mickey Mouse

Die Maus ohne Eigenschaften

20181109_Micky_Maus_wird_90 - © Disney 2018 Es ist nicht so einfach. Obwohl, eigentlich ist es sehr einfach. Das größte Problem der Micky Maus ist, dass sie keine Ente ist... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Was ist "das Leitkultur"?
  2. Jane Bond rettet die Welt
  3. Schaumbad im Schampanninger
  4. ORF-Programm 2019: Erste Umbauarbeiten beginnen
  5. Kontinuität und Bruch
Meistkommentiert
  1. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  2. Ars Electronica bringt "Error" von Linz nach Berlin
  3. Venus, Warhol oder Papagei
  4. Weißes Haus verteidigt sich mit Fake-Video
  5. Schweigen im Blätterwald


Quiz


Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung