Der Investmentbanker Neil findet in "Satisfaction" heraus, dass seine Frau ihn betrügt. - © WDR
Der Investmentbanker Neil findet in "Satisfaction" heraus, dass seine Frau ihn betrügt. - © WDR

Neil Truman hat alles. Die perfekte Frau, die nette Tochter, den gut bezahlten Job als Anlageberater und das schmucke Eigenheim. Eines Tages erwacht er jedoch aus seinem "Amerikanischen Traum". Das Leben, das für Außenstehende so perfekt scheint, ist ihm nicht mehr genug. Er fühlt sich antriebslos und beschließt etwas zu ändern.

Neil kündigt seinen Job und sucht Trost in den Armen seiner Frau Grace, mit der er die neuen Ziele in seinem und dem Leben der Familie besprechen will. Grace ist allerdings anderweitig beschäftigt. Sie hat gerade leidenschaftlichen Sex mit Simon, einem jungen, gutaussehenden Escort. Neil ist außer sich und es kommt zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern, bei dem Neil in den Besitz von Simons Mobiltelefon gelangt. Es dauert nicht lange, bis der erste Anruf von Simons Kundinnen eingeht, den Neil auch prompt entgegennimmt.

Er trifft sich mit den Frauen und erkennt nach und nach, dass er an Grace‘ Ehebruch Mitschuld trägt. Ein bisschen mehr Zuneigung und Aufmerksamkeit von ihm ist alles, was sie sich gewünscht hat. Nach dieser Erkenntnis nähern sich die Familienmitglieder wieder an, finden scheinbar wieder zusammen und eigentlich könnte die Geschichte an dieser Stelle enden.

Stattdessen bildet eine letzte Szene den Auftakt der ersten Staffel von "Satisfaction" (Sa., 21.40 Uhr, WDR), die an diesem Wochenende deutschsprachige TV-Premiere feiert. Die erste Folge endet nämlich mit einem erneuten Anruf auf Simons Handy, das noch immer im Besitz von Neil ist. Es ist Grace - und das Happy End erst einmal verschoben.

"Satisfaction" ist eine US-Dramaserie, deren Erstausstrahlung auf dem USA Network im Juli 2014 stattgefunden hat. Der WDR zeigt die Serie in Doppelfolgen ab dem heutigen Samstag. Gleich im Anschluss folgt eine weitere Serien-Premiere. In der britischen Produktion "Cucumber" (Sa., 23.05 Uhr, WDR), die im vergangenen Jahr auf Channel4 gesendet wurde, geht es ebenfalls um Beziehungen, jedoch nicht auf hetero- sondern auf homosexueller Ebene.

Russell T. Davies, der Erfinder der Serie, widmet sich nach der von Kritikern gefeierten Serie "Queer als Folk", von der zwischen 1999 und 2000 insgesamt 10 Episoden produziert wurden, erneut dem Thema schwuler Beziehungen. Anders als bei seinem Vorgänger, wird in "Cucumber" jedoch nicht die Schwulenszene der Mittzwanziger, sondern jene von Männern mittleren Alters beleuchtet. Der Schauplatz ist das britische Manchester, der Hauptprotagonist Henry Best (Vincent Franklin), dessen Leben nach einer desaströsen Nacht mit seinem Partner Lance (Cyril Nri), mit dem er seit nunmehr neun Jahren zusammen ist, plötzlich zusammenbricht. Henry löst die Beziehung auf und findet sich in einer neuen Welt wieder, deren Spielregeln er erst neu lernen muss. Er beginnt ein neues Leben und zieht in die gemeinsame Wohnung seiner Arbeitskollegen Dean und Freddie. Vorsichtig knüpft er neue Freundschaften und versucht wieder als Single Fuß zu fassen.

Auch "Cucumber" wurde von Kritikern hoch gelobt, Schöpfer Russell T. Davies bescheinigte man ein gelungenes "Homecoming" in bekanntes Terrain. Produziert wurde die Serie als Dreierpack, gemeinsam mit den Schwesternserien "Banana" und dem dokumentarisch angelegten "Tofu", dessen Handlungsstränge sich während der gesamten Episoden immer wieder kreuzen.

Sex und Humor


Besonders "Cucumber" aber hält sich dabei an keine Regeln, nimmt keine Rücksicht. Weder auf die Zuseher, noch auf seine Protagonisten. Es ist vermutlich Davies‘ bislang dunkelstes Werk. Neben einer großartigen Story gibt es Gewalt und erwartungsgemäß viel Sex. Selbst der Humor ist stets mit einem Hauch Melancholie versehen.

Trotzdem zählt sie wohl zu den besten Serien des letzten Jahres. Umso unverständlich ist daher die Tatsache, dass sie nach nur einer Staffel auf Grund zu niedriger Quoten eingestellt wurde.

Auch "Satisfaction" ereilte nach nur zwei Staffeln das gleiche Schicksal. Nun könnte man meinen, dass es ausreichend Ersatz in Form grandioser Serien gibt, die diesen Verlust wieder wettmachen. Im Gegensatz dazu stehen jedoch auch zahlreiche weniger grandiose Produktionen, die mittlerweile in ihre siebente oder gar zehnte Staffel starten.

Beide Serien, aber vor allem "Cucumber" hätten deshalb durchaus eine zweite Chance beziehungsweise eine weitere Staffel verdient. Mindestens.