Bei der Eröffnung der Technologiegespräche des Europäischen Forums Alpbach am Donnerstag standen die digitale Revolution und ihre Bedeutung für Österreich im Zentrum. Schnell kam das Gespräch auf die gesellschaftlichen Implikationen zunehmender Digitalisierung, die, fast muss man sagen ausnahmsweise, nicht nur auf Datensouveränität und die Gefahren des Internets reduziert wurde. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) etwa betonte zwar, dass digitale Kompetenzen Schlüsselkompetenzen für die Zukunft seien, schlug jedoch vor, den Blick zu erweitern und den gesamten Fächerkanon und die Art wie junge Menschen in Österreich durch das Bildungssystem auf die Zukunft vorbereitet werden zu hinterfragen. Ihr zufolge ist es wahrscheinlich, dass neben klassischen Schulfächern wie Mathematik und Sprachen auch Problemlösungskompetenzen, Teamfähigkeit, Mut, Selbstbewusstsein und Verantwortung das Anforderungsprofil bestimmen werden, mit dem sich Schüler von heute dann morgen auseinandersetzen müssen. Man müsse daher an Themen und Problemstellungen entlang unterrichten und dürfe nicht mehr ganz strikt nach Schulfächern trennen.

Ähnliche Töne schlugen auch Jörg Leichtfried (SPÖ), Bundesminister für Verkehr, Technologie und Innovation, und Harald Mahrer, Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, an. Man rechne durch wissenschaftlichen Fortschritt und Digitalisierung mit immer größeren Veränderungssprüngen. Leichtfried warnte, diese könnten dazu führen, dass es immer eine Generation geben wird, die dem Wandel nicht mehr folgen kann und demzufolge auf dem Arbeitsmarkt schwindende Chancen habe. Mahrer nannte die erwartbaren Veränderungen der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre die Wurzel für weitreichendere Konsequenzen, als es die Erfindung des Buchdrucks einst hatte. Erfindungen wie Emotional Tracking und Organdruck werden die Welt, wie wir sie kennen, revolutionieren, so Mahrer.

Hannes Androsch erfüllte einmal mehr die Erwartungen nach dem druckreifsten Satz der Debatte und sagte: "Pessimismus ist für mich keine Haltung, sondern Zeitverschwendung. Zu Tode geraunzt ist auch gestorben" und führte weiter aus, dass es im Bereich Forschung und Innovation in Österreich dennoch Verbesserungsbedarf gäbe. Man brauche in den nächsten Jahren mehr Geld, müsse bei der Verteilung aber auch gewisse Schwerpunkte haben, anstatt einfach jedem "zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig" zu geben.

Vernunft bewahren

Der Generalsekretär der österreichischen Industriellenvereinigung Christoph Neumayer stimmte ihm zu, lobte aber die österreichische Forschungspolitik. Da dies kein Bereich sei, mit dem Populisten viel Freude hätten, würde in Österreich darin gute Politik gemacht. Er schätzt, dass man gute 10 Prozent pro Jahr mehr an öffentlichen Ausgaben für die Forschung benötigt, um das Forschungsziel der Bundesregierung einzuhalten. Schließlich kam auch er auf die gesellschaftliche Dimension zu sprechen. "Wir leben in Zeiten der Gegenaufklärung", sagte er, und die käme durchaus aus unserer eigenen Gesellschaft, in Form von Populismus und Fundamentalismus. Es sei entscheidend, dass die Gemeinschaft der Forscher, Politiker und die gesamte Gesellschaft zusammenarbeiten und "die Vernunft im politischen Diskurs nicht verlieren".

Rückenwind bekam er von Bundesminister Leichtfried, der schließlich damit schloss, dass nur gemeinsam mit anderen EU-Staaten eine Verbesserung und eine erfolgreiche Wandlung Richtung Digitalisierung möglich sei. "Wir müssen im Kopf behalten, dass die Menschen, die Europa zerstören wollen, und die gibt es nicht nur im Ausland, sondern auch in Österreich, auch dem Bereich der Forschung und der Wirtschaft schaden", so Leichtfried. Man könne viel schaffen, aber nur mit anderen gemeinsam.