• vom 06.09.2016, 17:07 Uhr

Medien

Update: 13.09.2016, 12:13 Uhr

Satire-Negativpreis

Goldenes Brett: Größter wissenschaftlicher Blödsinn gesucht




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Von WZ Online, zel

  • Negativpreis für pseudo-wissenschaftlichen Nonsens – Xavier Naidoo, Heilkunde-Ärzte und Virenleugner unter Preisträgern.

Wien/Hamburg. Lichtnahrung als Heilquelle für ein langes Leben, die Leugnung von Klimawandel oder der Verkauf von hypervitalisierendem Grandewasser. Pseudowissenschaftliche Ansätze dieses Kalibers wird heuer wieder mit dem Satire-Negativ "Goldenes Brett" vergeben. Die Devise: Hauptsache absurd.

Außerdem bewertet die Jury nach einigen ausgewählten Kriterien:

Information

- Grad der Abwegigkeit: wie sehr stehen die Theorien, deren Evidenz mangelhaft ist oder gänzlich fehlt, im Widerspruch zu gestützten Theorien oder Naturgesetzen?
- Kritikresistenz: werden längst widerlegte Argumente weiterhin wiederholt? Werden Kritiker aufgrund sachlich fundierter Gegenargumente sogar abgemahnt?
- Kommerzielles Interesse: Bereichert sich die Person durch die Verbreitung von pseudowissenschaftlichen Produkten oder Dienstleistungen besonders unverhältnismäßig?
- Aktionsradius: lokal, regional, global, unterstützt durch potente Geldgeber, vernetzt mit einflußreichen Personen, Institutionen, Unternehmen oder Medien.
- Pseudowissenschaft: werden para- oder pseudowissenschaftliche Theorien dezidiert als Wissenschaft ausgegeben?
- Gefahrenpotenzial: Gefährdung der Gesundheit oder gar des Lebens von Personen, bzw. politisch-gesellschaftliches Gefährdungspotenzial (z.B.Rassentheorien).

Sammelsurium der schönsten Verschwörungstheorien

Preisträger der vergangenen Jahre waren der deutsche Sänger Xavier Naidoo, der mit seinen rechten Verschwörungstheorien die Jury überzeugte. Seinen Ausführungen zufolge bestehe das Deutsche Reich bis heute und die Bundesrepublik Deutschland gebe es gar nicht. Ein würdiger Preisträger aus dem Jahr 2014.

Ebenfalls "ein Brett vor dem Kopf" haben, so die Initiatoren der Preisverleihung, Jochen Kopp und der Kopp-Verlag, der 2014 den Satirepreis fürs Lebenswerk erhielt. Die Website ist ein abstruses Sammelsurium aus fragwürdigen Theorien und Methoden in dankbaren Bereichen wie Esoterik und Wunderheilung.

Seinen größten Unfug kann jeder über die Website nominieren. Auch hier legt die Jury besonders viel Wert auf sachliche Begründung. Bis zum 22. September werden Nominierungen angenommen. Die offizielle Preisverleihung findet am 11. Oktober 2016 in Wien und gleichzeitig in Hamburg statt. Durch den absurden wie gleichsam unterhaltsamen Abend führten in der Vergangenheit an Spaß und Absurdität offenbar Interessierte wie Florian Scheuba, Niko Alm und Martin Thür.

Nominierte 2016: Anti-Chemtrails-Säule und "Germanen-Arzt"

Auch heuer dürfte es spannend werden, welche pseudowissenschaftliche Trollereien das Rennen machen. Unter den Nominierten lassen sich bereits einige Highlights ablesen: Die Akasha-Säule als "das ziemlich geilste Ding der Welt gegen Chemtrails", wie "Goldenes Brett"-Gründer und Organisator Michael Horak der "Wiener Zeitung" verriet. Für einen Spottpreis von 1.749 Euro können Chemtrails-Gläubiger diesen "Chembuster mit dem Äther von Oz Orgonite" über den Online-Händler Amazon kaufen.

Das Lachen im Halse stecken bleibt einem hingegen, wenn Menschen mit skurrilen Maßnahmen und Scharlatanerie die Gesundheit Anderer gefährden. So zum Beispiel der deutsche Arzt Ryke Geerd Hamer, der mit "Germanischer Heilkunde" als heißer Anwärter auf ein "Goldenes Brett vorm Kopf" gehandelt wird. Die Opfer, die in den vergangenen 20 Jahren aufgrund seiner pseudomedizinischer Außenseiterlehre mit dem Leben bezahlen mussten, werden inzwischen auf einer Website dokumentiert.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-06 16:41:04
Letzte Änderung am 2016-09-13 12:13:33


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