50 Jahre Star Trek, das bedeutet 703 Episoden, 13 Kinofilme, 33 Emmys - und sogar ein Oscar. Bis dato. Denn ein neuer Spielfilm ist in Vorbereitung genauso wie eine neue TV-Serie, die mittlerweile sechste innerhalb von drei Generationen an treuen Fans. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, ist einer wohl einzigartigen Geschichte geschuldet. Denn Star Trek war bei seiner ersten Ausstrahlung am 8. September 1966 vieles - aber sicher kein Erfolg. Eine hanebüchene Story, angemalte Pappkulissen, grottige Tricktechnik - in Summe eine Low-Budget-Produktion aus der Massenfertigung des Billigfernsehens. Ausreichend vielleicht für die Ansprüche in den Sechzigern aber nichts für die Ewigkeit. Aber Star Trek hatte schon damals einen großen Trumpf: Exzellente Schauspieler, die es alle zu Weltruhm gebracht haben, allen voran William Shatner als Captain Kirk aber auch Leonard Nimoy als Mr. Spock, DeForest Kelley als Doktor McCoy und Nichelle Nichols als Nyota Uhura. So wie die angemalten Styropor-Kulissen, die sich bedrohlich bogen, wenn jemand dagegen stieß, war auch der der "schottische" Ingenieur "Scottie" nicht echt - James Doohan war waschechter Kanadier.

Aber das machte nichts, denn die Fans der ersten Stunde liebten die Show dennoch. Als nach der zweiten Staffel wegen schlechter Quoten Schluss sein sollte, erzwangen sie mit einer Briefkampagne eine dritte. Dann war aber endgültig Schluss. Ein Muster übrigens, das sich auch bei einigen anderen Ableger-Serien immer wieder wiederholen sollte. Die Fans akzeptierten nicht, dass man ihre Serie einstellen wollte, und beeindruckten das Management mit Beharrlichkeit. Kurioserweise war es jedoch gerade der initiale Misserfolg, der den Grundstein für den Ruhm der Serie legte. Paramount versuchte nämlich nach der Absetzung, seine Verluste dadurch zu kompensieren, indem es die Serie an unzählige kleinere Sender verkaufte. Diese spielten praktisch die ganzen Siebziger Jahre hindurch Star Trek derart oft, dass sich ein richtig großer Fanblock bilden konnte. Genug jedenfalls, um fünf weitere Kinofilme (einige davon unverzeihlich schlecht) zum Erfolg zu führen. Eine Regel unter Trekkies lautet nicht umsonst: Gut sind nur die Filme mit ungeraden Nummern - also schnell ins Kino, die Nummer 13 läuft gerade.

Gnadenlose Utopie

Was Star Trek so besonders macht, ist wohl die gnadenlose Utopie, als die die Serie konzipiert ist. Die Menschheit hat sich nach einem dritten Weltkrieg zusammengerauft und Konflikte, Gier und Streit hinter sich gelassen: Kapitalismus und Geld sind abgeschafft, da alles, was man zum Leben braucht, aus dem Replikator kommt. Mangel gibt es nicht mehr, wozu also um stets verfügbare Ressourcen streiten? Nicht umsonst ist die Mission der "Enterprise" in erster Linie wissenschaftlich - heißt es doch in der Signation "dringt die ,Enterprise‘ in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat" -ein Spruch, den man sich übrigens abgewandelt aus der Biografie des Abenteurer James Cook abgeschaut hat, nach dem Captain James Kirk benannt ist.

Diesen Frieden, in dem man die Träume des Kalten Krieges wiedererkennen kann, hat man gleich auf eine ganze Region des Weltraums angewandt - die Föderation der Vereinten Planeten, deren Logo wohl nicht umsonst dem Symbol der Vereinten Nationen gleicht. Auch in der zweiten, wohl erfolgreichsten Serie "Enterprise: Next Generation" hielt man das noch durch - mit einem noch aristokratischeren und gegen Kirk geradezu hardcore-pazifistischen Captain Jean-Luc Picard, gespielt vom grandiosen Patrick Stewart. Doch wie der Zeitgeist halt so ist, in den Neunzigern war bei "Star Trek: Deep Space Nine" Schluss mit dem kollektiven Kuscheln. Die sieben Staffeln rund um eine Raumstation am Ende der Welt kulminierten in einem ganz großen Krieg.

Die Föderation muss sich gegen die Erstürmung des Alpha-Sektors durch das Dominion zur Wehr setzen. Eine Schlacht jagt die andere und der Feind von außen lässt sogar die Klingonen zur Verteidigungsallianz dazustoßen. Kennern gilt gerade diese Serie mit dem schwarzen Commander Benjamin Sisko (Avery Brooks) als Höhepunkt der Drehbuchkunst und sozusagen als Erwachsenwerden von Star Trek. Das Setting der immer gleichen Raumstation mit den immer gleichen Figuren hat eine unglaubliche Tiefe der Charaktere zur Folge, die es so in keiner Serie vorher oder nachher gab.

Als Erfinder von Star Trek gilt Gene Roddenberry. Der ehemalige Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg und spätere Polizist versuchte, Ende der Fünfziger Jahre als freier Drehbuchschreiber zu arbeiten. Vor allem versuchte er, heute eher unbekannte Polizei- und Militärfilme im Fernsehen unterzubringen, was ihm mehr schlecht als recht gelang. Bis zu seinem Tod 1991 arbeitete Roddenberry immer wieder an neuen Star-Trek-Projekten aber auch an Konzepten für Serien wie "Andromeda" und "Mission Erde", die nach seinem Tod ins Fernsehen kamen. Es war Roddenberrys humanistische Einstellung, die die positive Grundhaltung des Star-Trek-Universums definierte, mit der er seiner Zeit weit voraus war. Seine Frau Majel Barrett ist übrigens als englische Stimme des Computers zu hören. Bis zu ihrem Tod 2008 wachte sie über das Star- Trek-Erbe ihres Mannes.