Für "Sebergs bestes Stück" hat der Schauspieler und Kabarettist sechs urige Orte besucht. - © Puls 4
Für "Sebergs bestes Stück" hat der Schauspieler und Kabarettist sechs urige Orte besucht. - © Puls 4

Wien. Neues Design und neue Formate: Der Privatsender Puls 4 hat nicht nur vor kurzem sein Logo geändert und parallel zur Einführung eines 24/7-Livestreams auch die Website www.puls4.com relauncht, sondern führt im Hauptabendprogramm - frei nach dem Schwestersender ProSieben - eine Art Comedy-Dienstag ein. Nur dass die Comedy bei Puls 4 nicht aus Comic-Serien besteht, sondern aus eher kabarettistischen Formaten.

Den Auftakt macht am kommenden Dienstag um 20.15 Uhr "Lügen erlaubt": Darin konfrontieren die beiden Comedians Alex Scheurer und Christoph Fälbl jeweils zwei Promis mit dreisten Lügenmärchen und unglaublichen Wahrheiten aus den verschiedensten Themenbereichen, moderiert von Christian Nehiba. In der ersten Sendung am 27. September treten die beiden Sportlegenden Toni Polster und Renate Götschl gegeneinander an. Mit je einem Team von 50 Ratern aus dem Publikum hinter sich müssen sie Runde für Runde entscheiden, ob Scheurers oder Fälbls Geschichte wahr oder falsch ist. Am 4. Oktober duellieren sich dann Schauspielerin Elke Winkens und Starköchin Sarah Wiener.

"Verruckt" wird es dann um 21.15 Uhr: Da nämlich startet "Sebergs bestes Stück" in der malerischen Ortschaft Herrnbaumgarten im Weinviertel, die sich selbst als "verruckt" bezeichnet. Es ist der Beginn einer zunächst auf sechs Folgen angelegten Österreich-Rundreise des Schauspielers und Kabarettisten Gregor Seberg. Für jede Sendung hat er eine andere urige Ortschaft jeweils 48 Stunden lang besucht und dann aus den dabei gewonnenen Eindrücken ein ganz individuelles Kabarettprogramm entwickelt, das er am Ende der Bevölkerung vorspielte. Sein Fazit: "Es hat in allen sechs Orten erstaunlich gut funktioniert. Ich habe auch überall zeitlich schwer überzogen, weil es so lustig war und es so viel Interaktion gegeben hat. Die Leute haben sich ja selbst wiedererkannt", erzählt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" über seine Österreich-Tour, die ihn auch nach Rauris (Salzburg), Elbigenalp (Tirol), Irschen (Kärnten), Winden am See (Burgenland) und Bairisch-Kölldorf (Steiermark) geführt hat.

Bei entsprechenden Quoten ist eine Fortsetzung geplant - parallel zu Sebergs Dreharbeiten für "Bist du deppert!" auf Puls 4 und "Soko Donau" im ORF (hier wurde diesen Dienstag die 150. Folge gefeiert) und zur Kabarett-Tour mit seinem neuen Soloprogramm "Honigdachs" (Premiere ist am 19. Oktober in der Kulisse Wien).

Dass er derzeit kaum im eigenen Bett schläft, geht ihm zwar selber auf die Nerven. "Aber mich hat das alles so gereizt, dass ich auf keines dieser Projekte verzichten wollte. Und es geht sich ja irgendwie aus", sagt Seberg. Nachsatz: "Ich glaube, ich bin auf der Flucht - und schön langsam frage ich mich, vor wem."

"Blick nicht von oben herab, sondern zu den Leuten hinauf"


Dass für die erste Sendung von "Sebergs bestes Stück" Herrnbaumgarten ausgewählt wurde, lag fast auf der Hand. Schließlich gibt es dort das Nonseum, und nach seinem Besuch kann Seberg nur bestätigen, dass die 1000-Einwohner-Gemeinde "verruckt" ist. "Aber im positiven Sinn. Es sticht gleich ins Auge, dass die dort was Besonderes vorhaben. Da steht vor dem Gemeindeamt eine Telefonzelle für Handybenutzer, damit die in Ruhe telefonieren können. Und auch ganz normale Leute, die nicht berufs-‚verruckt‘ sind, haben irrsinnigen Spaß daran, dort zu leben. Das hat mir getaugt."

Da saßen zum Beispiel einige ältere Leute im Wirtshaus am Tisch und fragten den Besucher: "Warst schon bei unserem Teich?" Darauf Seberg: "Nein, was ist dort?" Es folgten schallendes Lachen und die Antwort: "Da ist kein Wasser drin." Tatsächlich ist nämlich der Teich mittlerweile ausgetrocknet, aber es gibt immer noch ein Schild "Fischen und Baden verboten".

Es sind Skurrilitäten wie diese, die Seberg auf seiner Österreich-Tour gesucht und gefunden hat. Wobei er dem Motto folgte: "Die Interessantesten sind die Uninteressanten. Die haben etwas Spezielles, das oft nicht gleich ersichtlich ist, aber das ist umso liebenswerter." Und nicht nur in Herrnbaumgarten hat er einmal mehr seine "Liebe, die ich für dieses Land und seine Menschen hege", entdeckt. Wichtig war ihm auch, nicht "von Wien aus aufs Land hinunterzuschauen oder die Leute dort runterzumachen, sondern ich habe im Gegenteil sogar zu ihnen aufgeschaut".