Es sind die "letzten Fragen", die im November 2016 das Festival Wien Modern stellt: "Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Und wo, zum Teufel, sind wir hier überhaupt?" Auch in seiner 29. Ausgabe präsentiert sich das Festival als eines der größten seiner Art weltweit. Seit 1988 zeigt sich dabei die Musikstadt Wien von ihrer innovativen Seite. In konkreten Zahlen: 31 Spieltage, 21 Spielstätten, 45 Produktionen, 88 Veranstaltungen, davon 69 Konzerte und neunzehn Rahmenveranstaltungen stehen dieses Jahr auf dem Programm.

Während sich das Festival also thematisch mit den letzten Fragen beschäftigt, so ist es doch die erste Festivalausgabe unter neuer künstlerischer Leitung: Bernhard Günther, ein Wien-Modern-Besucher der ersten Stunde, dessen Herz seit seinen Jugendtagen für die zeitgenössische Musik schlägt, wird erstmals das Festival leiten.

Die diesjährigen Leitgedanken empfindet der neue Intendant als "ewiges Thema" der Musik: "Der Umgang mit Sinnsuche, Abschied, Tod und Finsternis in der Musik hat angesichts der täglichen Nachrichten von Krieg, Konflikten und Katastrophen etwas durchaus Tröstliches: Das Leben ist halt nicht immer lustig - diese schlichte Weisheit gehörte schon bei Mozart und Schubert zum Basiswissen der ‚ernsten‘ Musik."

Facettenreiche Musikstadt Wien

Unter anderem bieten in diesem Jahr drei spektakuläre Streichquartett-Großprojekte Gesamtaufführungen aller Quartette von Harrison Birtwistle, Arnold Schönberg und Dmitri Schostakowitsch (letztere in einem Simultankonzert). Dazu kommen Orchesterkonzerte, Kammermusik, Medienkunst, Musiktheater, eine Klanginstallation, mehrere Exkurse in die kontrastreichen Szenen der improvisierten und elektronischen Musik in Wien und Künstlergespräche.

Die Spielstätten spiegeln dabei auch die unterschiedlichen Facetten der Musikhauptstadt Wien wider und reichen vom Stephansdom bis zum Zentralfriedhof, vom Großen Musikvereinssaal bis zum Caféhauskeller, vom Semperdepot bis zur Gemäldegalerie, vom brut bis zum Wiener Konzerthaus. So unterschiedlich die Spielstätten sind, so kontrastreich und generationsübergreifend gestaltet sich das Programm inhaltlich. Ob mit Ernst oder Ironie, Melancholie oder Zorn, in Nachtschwärze oder Golddekor, puristisch oder eklektisch, experimentell oder einfach nur wunderschön - junges und älteres Publikum, Stammkunden oder Neugierige sollen alle auf ihre Kosten kommen. Entweder mit Musik der Urgroßväter Mahler, Schönberg, Ravel und Satie oder aber vielleicht mit einer der insgesamt 55 Ur- und Erstaufführungen, die ins Programm aufgenommen wurden.

Ein besonderes Highlight ist das "Eröffnungskonzert von Wien Modern" (So., 19.30 Uhr, Radio Ö1) am 3. November im Konzerthaus, das, wie auch schon die Jahre davor, vom ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter dem Chefdirigenten Cornelius Meister bestritten wird. Gleich zwei besondere Uraufführungen stehen dabei auf dem Programm, weshalb anstelle einer Eröffnungsansprache diesmal die Musik von Anfang an das Wort hat: Mit dem so eigenwillig notierten wie klanglich explosiven "Threnos. Den Opfern von Hiroshima" (1960) des damals 27-jährigen Krzysztof Penderecki beginnt das Konzert, ehe es mit der ersten Uraufführung von Georg Friedrich Haas, der für Wien Modern und den Solo-Posaunisten Mike Svoboda ein Konzert geschrieben hat, fortgesetzt wird.

Im Anschluss präsentiert Jorge E. López seine Vierte Symphonie. Der seit bald drei Jahrzehnten in Wien lebende kubanisch-amerikanische Komponist zählt zu den profiliertesten Künstlern seiner Zeit. Für die kalligrafische Partitur seines Werks hat er in jahrelanger Detailarbeit knapp 200 Seiten im Format Din A 1 und Din A 2 beschrieben.

Wien Modern 2016

Eröffnungskonzert

(aufgenommen am 3. November im Großen Konzerthaussaal)

Sonntag, 6. November, 19.30 Uhr

auf Radio Ö1