London. (apa/bau) Ein Regisseur gibt sein "Go": Daumen hoch, ein Pfiff durch die Trillerpfeife. Männer in Anzügen drücken große Knöpfe und überwachen Kameras, die so groß sind wie ein Rasentraktor. Dann setzt das BBC Television Orchestra zum ersten Takt an, und die Sängerin Adele Dixon eröffnet in einem bodenlangen paillettenbesetzten Kleid mit einem Lied die erste Liveshow im Fernsehen. So sieht sie aus, die Geburtsstunde des Fernsehens in England.

Am 2. November 1936 strahlt die British Broadcasting Company ihre erste TV-Sendung aus - ein Meilenstein. Das feierte der Sender, indem er die Show am Mittwoch noch einmal inszeniert - inklusive originalem Studio und Kameratechnik - und sie am Abend auf BBC Four ausstrahlte. Das originale Programm ist in den Jahren bis auf die Eingangssequenz verloren gegangen.

80 Jahre nach der ersten TV-Show ist die BBC heute mit rund 19.000 Angestellten zu einem der größten internationalen Rundfunkunternehmen geworden. Ihr weltweiter Dienst sendet in 33 Sprachen, hinzu kommen internationale Programme wie BBC World News und BBC Prime. 4,1 Milliarden Euro hat der Sender jährlich zur Verfügung, finanziert aus Rundfunkgebühren. Dafür kann der fernsehbegeisterte Brite gleich fünf Sender sehen, dazu noch zwei Kindersender und den Parlamentskanal. Sender in Gälisch und das interaktive Programm runden das Angebot ab.

Heute besitzt beinahe jeder Haushalt einen Fernseher - oder mehr. Die Premieren-Sendung vor 80 Jahren war nur in rund 400 britischen Haushalten zu sehen. Die Geräte kosteten damals umgerechnet rund 16.000 Euro. Wer sich das leisten konnte, sah eine Varieté-Show des Duos "Buck and Bubbles" und ostasiatische Artisten, übertragen aus dem Londoner Studio im Alexandra Palace.

Alte Tante im Wettbewerb

Für die BBC ist das Fernsehenmachen heute - abgesehen von den technischen Möglichkeiten - komplizierter als vor 80 Jahren. Zwar bezeichnet Geschäftsführer Toni Hall die BBC immer noch als "Teil von dem, was Großbritannien ausmacht". Tatsächlich nennen die Briten ihren Sender schmeichelnd die "Old Auntie BBC" - alte Tante BBC. Doch die BBC hat ihr TV-Monopol längst verloren, sie steht im Wettbewerb mit kommerziellen Sendern um die Gunst der Zuschauer, die ihre Serien online und jederzeit schauen möchten. Zielgruppen lassen sich angesichts globalisierter und heterogener Gesellschaften immer weniger auf ein gemeinsames Programm vereinen. Und doch ist die BBC auch am Markt erfolgreich. Teil dieses Erfolges ist sicher auch die lange zögerliche Verteilung privater Sendelizenzen. Resultat daraus ist ein starker öffentlicher Rundfunk und mit Rupert Murdochs Sky nur ein wesentlicher, großer privater Konkurrent.

Die vergangenen 80 Jahre sind an der BBC nicht ohne Schrammen vorübergegangen. Sie sei eine schwerfällige Institution mit einem Programm, das keine Risiken eingehe und zu viel koste, sagen Kritiker. Die Konservativen im britischen Parlament griffen die Berichterstattung der BBC immer wieder als einseitig an. Auch über den Umgang des Senders mit Starmoderatoren wird debattiert. Da geht es etwa um die Gehälter von Showmastern wie Jonathan Ross. Auch die Informationspolitik im Missbrauchsskandal des Starmoderators Jimmy Savile hatte für Schlagzeilen gesorgt. Nach seinem Tod im Jahr 2011 kam heraus, dass Savile jahrelang Kinder und Jugendliche missbraucht haben soll, unter anderem in den Räumen der BBC.

1936 traute der damalige BBC-Generaldirektor, Sir John Reith, dem Medium Fernsehen nur einen vorübergehenden Erfolg zu. Er lag damit ziemlich falsch. Heute wird das Programm der BBC oft gelobt, nicht nur in Großbritannien. Damit das so bleibt, wird die BBC allerdings beweisen müssen, dass sie nach wie vor immer noch Trends setzen kann.