Der Kurznachrichtendienst Twitter steht zum Verkauf. Einst der Hoffnungsträger an der Börse, ist der Konzern inzwischen zu einem Übernahmekandidaten geworden. Der Konzern schreibt rote Zahlen, die Nutzerzahl stagniert bei 300 Millionen, die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft wachsen nur leicht, die Aktionäre verlieren allmählich die Geduld. Unternehmenschef Jack Dorsey musste 300 Stellenstreichungen verkünden.

Immer wieder kursierten Namen wie Google, Disney oder Salesforce als mögliche Kaufinteressenten, doch Übernahmegespräche scheiterten. Niemand will Twitter kaufen. Eine internationale Gruppe von Aktivisten hat nun eine Online-Petition lanciert und aufgerufen, den Kurznachrichtendienst in ein genossenschaftliches Modell zu überführen.

"Du bist ein echt nettes Tool"

In dem Manifest "#WeAreTwitter" heißt es: "Wir haben gehört, dass Du verkauft werden sollst. (...) Das betrifft uns auch. Irgendwie. Du bist ein echt nettes Tool, und deine Zukunft wird mitbestimmen, wie wir mit unseren Freunden in Kontakt bleiben, wie wir etwas von der Welt mitbekommen und wie wir mit Fremden kommunizieren können. Von deiner Zukunft hängt auch ab, was mit all unseren Daten geschieht, die wir Dir anvertraut haben. Wer auch immer Dich kauft, kauft in gewisser Weise uns."

Ende September stellte der Journalist Nathan Schneider, bekannt geworden durch seine Berichterstattung über die Protestbewegung "Occupy Wall Street", in einem Artikel für den "Guardian" die Idee einer breiteren Öffentlichkeit vor. "Die Wall-Street-Ökonomie", schrieb er, "ist Twitters Ökonomie geworden, selbst wenn die Sicht der Wall Street auf den Nutzen der Plattform nicht notwendigerweise unsere ist. Was aber, wenn wir die Ökonomie von Twitter verändern? Wenn die Nutzer zusammenstehen und Twitter für sich selbst kaufen?"

Genossenschaft im Raum

Schneider schlägt darin ein Genossenschaftsmodell nach dem Vorbild der Green Bay Packers vor, dem einzigen NFL-Franchise, das wie eine Genossenschaft organisiert ist: Anteile dürfen lediglich Einwohner des Bundesstaats Wisconsin erwerben, niemand darf mehr als 200.000 Stück besitzen, die Sportgenossenschaft schüttet keine Gewinne aus. Schneider unterbreitet einen konkreten Finanzierungsvorschlag: Eine Investmentgesellschaft dürfe 20 Prozent der Anteile erwerben, allerdings ohne Stimmrechte, der Rest der Anteile solle in Streubesitz veräußert werden.