Ob das realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt. Blaupausen gibt es, wenn auch nicht in der Digital-, dafür aber in der Energiewirtschaft: Die Genossenschaft Prokon Regenerative, die als Nachfolgeunternehmen der insolventen Kapitalgesellschaft Prokon hervorging, ist heute in Besitz von 37.000 Anteilseignern und schreibt schwarze Zahlen. Die Genossenschaft betreibt insgesamt 55 Windparks und verkauft an 4000 Kunden Strom. Der Traum einer kollaborativen Plattform, einer digitalen Allmende, ist so alt wie das Internet selbst. Doch immer wieder wurde die Utopie einer gemeinschaftlichen Güternutzung von einigen wenigen Plattformen und Unternehmen zunichtegemacht.

Der New Yorker Medienprofessor Trebor Scholz hat in diesem Jahr auf der re:publica in Berlin einen denkwürdigen Vortrag gehalten, in dem er einen Gegenentwurf zur Sharing Economy präsentierte: Platform Cooperativism. "Es geht dabei nicht um irgendeine bestimmte Technologie, sondern darum, das Internet mit dem Gemeinwesen zu verbinden", betonte er.

"Wir sind mehr als ein Produkt"

An diese Idee der Plattform-Kooperative will die Initiative "#WeAreTwitter" anknüpfen. "Was wäre Twitter ohne unsere Tweets?", heißt es in der Petition. "Wir sind das Produkt, das du an Anzeigenkunden verkaufst. Aber wir sind mehr als ein Produkt; wir sind Menschen. (...) Wir wollen einen Weg finden, wie wir gemeinsam Werte schaffen können, und wir wollen, dass diese Werte das von uns kreierte Gemeingut stützen, statt es an der Börse zu versteigern. Lass uns ein besseres Geschäftsmodell bauen als den Verkauf unserer Aufmerksamkeit an Werbekunden. Und eine bessere Eigentümerstruktur schaffen, die nicht dem Einfluss der Börsenspekulation unterworfen ist."

Von Maschinen gekapert?

Die Petition atmet den Geist der Occupy-Bewegung, die dem Shareholder-Value den Nutzen der Allgemeinheit entgegenstellt. Doch auch eine Kooperative muss freilich wirtschaften. Wie der Dienst neue Erlösströme generieren will und wie ein tragfähiges Geschäftsmodell der Zukunft aussehen könnte, darauf gibt das idealistische Manifest keine Antwort. Die Frage ist, ob die Petenten das Kollektiv überhaupt für sich reklamieren können.

Unter Donald Trumps 13 Millionen Followern auf Twitter befinden sich laut dem Analyse-Tool TwitterAudit 40 Prozent Fake-Accounts, darunter viele Bots, automatisierte Skripte, die Content generieren. Diese Meinungsroboter sorgten schon nach dem ersten TV-Duell dafür, dass der Hashtag "TrumpWon" zum Trending Topic in den USA auf Twitter wurde und ein Gegennarrativ zur medialen Erzählung konstruierte, wonach Clinton das Duell gewonnen habe.

Samuel Woolley, Forschungsdirektor des Computational Propaganda Project, schätzt, dass 80 Prozent von Trumps Twitter-Traffic automatisiert ist. Ist Twitter überhaupt noch in Nutzerhand - oder wurde es schon von Maschinen gekapert? Zur Wahrheit von Twitter gehört auch, dass nicht mehr nur die Nutzer, sondern auch Roboter Agenda-Setter sind.