Donnerstagabend wurden im magdas HOTEL in Wien zum 13. Mal JournalistInnen mit dem Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis ausgezeichnet. Der Preis, der im Sinne des Lebenswerkes von Prälat Leopold Ungar von der Caritas der Erzdiözese Wien und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien vergeben wird, ist mit 20.000 Euro der höchstdotierte JournalistInnenpreis Österreichs.

Die Wiener Zeitung durfte sich dabei über einen Hauptpreis freuen, dieser wurde in der Kategorie Online wurde an Thomas Seifert für sein Virtual Reality-Projekt "360° eXodus" vergeben.

Sibylle Hamann wurde dieses Jahr für Ihren Beitrag "Elf Monate mit Fatima" im "FALTER" in der Kategorie Print ausgezeichnet. PreisträgerInnen in der Kategorie TV sind Nicole Kampl, Jürgen Pettinger und Lisa-Marie Gotsche für "Heimat-Verbunden. Durch Krieg und Flucht getrennt", eine "DOKeins – Reportage" im ORF. In der Kategorie Hörfunk überzeugte Marlene Groihofer mit "Die Einzige, die überlebt hat", gesendet im Format "Passionswege" auf "radio klassik Stephansdom".

Große Eröffnungsworte

In seinen Eröffnungsworten ging Caritas Präsident Michael Landau auf die für den Journalismus schwierigen Zeiten ein. "Qualitätsjournalismus war schon lange nicht so bedroht und gleichzeitig so dringend benötigt wie heute", betonte Landau. "Politisches Misstrauen und Lügenpresse-Gerede auf der einen und eine Erosion herkömmlicher Erlösmodelle auf der anderen Seite. Es ist ein postdemokratisches Umfeld etwa in der Türkei. Und es ist ein postfaktisches Umfeld in den USA und teilweise auch hier bei uns in Europa und in Österreich. Oft regieren Stimmung statt Fakten, Emotion und Ressentiment anstelle von Inhalten und Einordnung. Umso wichtiger ist es, die Arbeit jener JournalistInnen zu würdigen, die für Fragen einstehen, die keinen Aufschub dulden: Dort, wo es um Armut, um Hunger, um Flucht und um soziale Ausgrenzung geht. Dann, wenn Menschen Zukunft und manchmal Gegenwart verweigert wird. In Zeiten medialer Parallelöffentlichkeiten, von Echokammern und digitaler Gleichzeitigkeit, lautet die Antwort der PreisträgerInnen: Abwägung, Einordnung und gründliche Recherche. Tugenden, die wir morgen noch dringender benötigen werden als heute schon."

Raiffeisen NÖ-Wien Direktorin Mag.a Veronika Haslinger betonte: "Raiffeisen NÖ-Wien und die Caritas verbindet – weit über den Prälat-Ungar-Preis hinaus – seit vielen Jahren eine gute Partnerschaft. Wir unterstützen diesen wichtigen Medienpreis, weil damit engagierte und verantwortungsvolle Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet werden, die in einer Demokratie unverzichtbare Beiträge zur öffentlichen Meinungsbildung leisten."

Die PreisträgerInnen und die Jury-Begründungen im Überblick

In der Kategorie Online wurde heuer der Hauptpreis an Thomas Seifert für
das Virtual Reality-Projekt "360° eXodus" verliehen. Das innovative
Medienprojekt der Wiener Zeitung über das libanesische Flüchtlingslager
Moussa Taleb, wo 579 Syrerinnen und Syrer aus der Flucht vor dem Krieg
Aufnahme gefunden haben, sowie über einen jungen syrischen Flüchtling,
der am Ort der heutigen Preisverleihung, einer WG in magdas HOTEL,
wohnt, eröffnet den ZuschauerInnen Eindrücke und Informationen aus allen
Richtungen. Vom Video über die "360° Exodus-Scrollstory" auf der
Homepage der Wiener Zeitung, zu den Artikeln in der Wiener Zeitung
Printausgabe sowie dem Wiener Journal, zeichnen sich alle
"Exodus"-Beiträge durch hohe journalistische Qualität, Faktentreue und
attraktive Aufarbeitung aus.

Sibylle Hamann überzeugte in der Kategorie Print mit ihrem Beitrag "Elf Monate mit Fatima". Die Jury überzeugte nicht nur der journalistische Stil, sondern auch die Tatsache, dass die Autorin hier eine sehr persönliche literarische Annäherung an das Asylthema vorgelegt hat. Empathisch, aber dennoch distanziert, beschreibt Hamann minutiös, wie die Integration einer geflüchteten syrischen Frau in der österreichischen Gesellschaft erfolgt und welche Probleme dabei entstehen, wenn eine gläubige Muslimin in die westliche, sogenannte freie Welt eintritt. Die Autorin nähert sich in einem langen Ich-Text journalistisch einer Frau, die zur Freundin wurde. Und sie reflektiert dabei ihre eigenen Vorurteile und Hoffnungen als Helferin. Hamann verleugnet keine Probleme, sondern benennt sie. Sie erzählt uns eine integrationspolitische Erfolgsgeschichte – ohne Gefühlsduselei oder Naivität. In Zeiten der schnelllebigen Texte, der schnellen Sager und der zunehmenden Radikalisierung in sozialen Medien ist Hamanns essayistische Reportage ein preiswürdiger Kontrapunkt.

Nicole Kampl, Jürgen Pettinger und Lisa-Marie Gotsche wurden für ihren Beitrag "Heimat-Verbunden. Durch Krieg und Flucht getrennt", eine "DOKeins – Reportage" im ORF von Jury in der Kategorie TV mit dem Hauptpreis gewürdigt: Unter den vielen Berichten und Reportagen über die Fluchtbewegungen im Herbst 2015 sticht die Dokumentation "Heimat-Verbunden. Durch Krieg und Flucht getrennt" hervor. Menschen, die alles zurücklassen mussten. Vor allem Familie und Freunde – und trotzdem in enger Verbindung sind. Der Vater in Österreich, seine Frau und seine kleinen Kinder im Libanon. Die beiden Schulfreunde aus Aleppo, einer in Wien, der andere in Beirut. Die Brücke ist das Internet. Nicole Kampl und Jürgen Pettinger waren zeitgleich an beiden Orten und zeigen gemeinsam mit Cutterin Lisa-Marie Gotsche die Bedeutung der modernen Kommunikationsmittel für Menschen auf der Flucht. Sie porträtieren syrische Flüchtlinge, ohne sie auf ihre Fluchtgeschichte zu reduzieren. Über Skype teilen die ProtagonistInnen Hoffnungen, Ängste, oft Alltägliches und manchmal berührende Momente der Nähe. Das Spannungsfeld zwischen Emotion und Information ist gelungen, Bildsprache und Grafik sind kreativ und modern. Auch ein junges Zielpublikum kann so erreicht werden.

Marlene Groihofer wurde in der Kategorie Hörfunk für "Die Einzige, die überlebt hat" von der Jury einstimmig ausgewählt. Ihr Beitrag handelt von einer Wiener Familie, Eltern und drei Kinder, die 1938 vor den Nazis flüchtet. Sechs Jahre lang, quer durch Europa, von einem Versteck zum anderen. 1944 werden sie in Italien von den deutschen Besatzern festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Als einzige überlebt die damals 16 Jahre alte Tochter. Das erschütternde und eindrucksvolle Porträt der heute 88-jährigen Gertrude Toninger für die Sendereihe "Passionswege" auf "radio klassik Stephansdom" gestaltete Marlene Groihofer mit großem Einfühlungsvermögen, zugleich emotional und informativ. Am Ende dieser Radiostunde werden erschreckende Parallelen zur aktuellen politischen Lage deutlich: Eltern mit kleinen Kindern auf jahrelanger Flucht, den Tod ständig vor Augen; Hilflosigkeit vor Verfolgung und Ausgrenzung; und das Wiedererstarken jener Ideologien, die im vorigen Jahrhundert Europa an den Rand des Abgrunds gebracht hatten.

Anerkennungspreise wurden heuer in der Kategorie Print an Simon Kravagna und Nour-El-Houda Khelifi ("biber Magazin"), Christoph Lehermayr ("News") sowie Birgit Wittstock ("FALTER") vergeben. In der Kategorie TV wurden Gernot Lercher ("ORF Kreuz und Quer") sowie Robert Gordon und Julia Kovarik ("ORF Am Schauplatz") ausgezeichnet. Die Anerkennungen im Bereich Hörfunk gingen an Ursula Theiretzbacher ("Ö1 Journal Panorama") sowie Peter Lachnit und das Team der "Ö1 Diagonal"-Redaktion. Nadja Hahn und Elisabeth Stratka (ORF) und Tori Reichel (VICE Alps) erhielten Anerkennungspreise in der Kategorie Online.