• vom 22.11.2016, 16:10 Uhr

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Update: 22.11.2016, 17:59 Uhr

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Wien der anderen Welten




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Von Bruno Jaschke

  • Am Freitag beginnt auf W24 die zweite Staffel von Ernst Moldens Stadtexpedition "Schau Ma".

Ernst Molden und Walter Soyka durchstreifen ein Wien, wie es nur wenige kennen.

Ernst Molden und Walter Soyka durchstreifen ein Wien, wie es nur wenige kennen.© wienweit medien Ernst Molden und Walter Soyka durchstreifen ein Wien, wie es nur wenige kennen.© wienweit medien

Wien. Kommen zwei Wanderer des waldigen Weges. Einer behutet, langmähnig, eine Gitarre geschultert und einen Spazierstock in der Hand; der andere dunkel gekleidet, mit einen kleinen Bart ums Kinn und einer großen Tasche am Rücken, die eine Ziehharmonika umhüllt.

"Ja, Walter, wir sind im westlichen Wienerwald", sagt der Behutete auf seinen Stock gestützt. "Der Schwarzenbergpark, die einzige englische Parkanlage in Wien. Nach dem Vorbild der großen viktorianischen Parks in England im Biedermeier vom Grafen Lacy geschaffen. Das ist das Basislager zur Besteigung des höchsten Punktes von Neuwaldegg, des Hameau. Mythische Anhöhe im Wienerwald! Wir werden heute, wenn du bereit bist und gutes Schuhwerk hast, das Hameau besteigen. Hoffentlich passiert uns nix!"


Auf Irrwegen
Mutig schreiten die Wandersmänner voran, passieren mit dem Forsthaus Neuwaldegg "den letzten Vorposten der Zivilisation", sehen "mit jedem Höhenkilometer, den wir hier machen", die genügsame hochalpine Vegetation sich ausbreiten - und verlaufen sich dann doch. Aber da kommt mitten im finsteren Walde die Rettung in der wahrhaftigen Lichtgestalt eines ganz in Weiß gekleideten älteren Herrn, der sie auf den richtigen Weg führt.

Es geht nicht immer bierernst zu in "Schau Ma", dem musikalischen Streifzug, in dem der Liedermacher und Dichter Ernst Molden mit seinem langjährigen Weggefährten Walter Soyka seine favorisierten Lebensräume in der Stadt Wien und ihrer Umgebung vorstellt. Schon gar nicht beim Auftakt der zweiten Staffel am Freitag um 18 Uhr in W24, der in den Schwarzenbergpark in Neuwaldegg führt. Gast in dieser ersten Folge ist Willy Resetarits, von dem Molden enthüllt, dass er "teilweise in einer alpinistischen Parallelwelt" lebt. Dass hier einige populäre Molden-Songs wie "Septemba", "Liad ibas Losziagn" und "Hameau" zum Besten gegeben werden, liegt gewissermaßen in der Natur der Sache, denn bei ihnen allen war Resetarits als Sänger an der Entstehung beteiligt.

Ernst Molden ist ein Wien-Besessener. Der größte Anteil seines gut zwölf LPs umfassenden Repertoires handelt von Plätzen und Bereichen der Stadt und ihres Einzugsgebiets: "Weiter als Heiligenstadt", "Luegerplatz", "Regn en Wien", "Schlochdhausgossn", "Joe Zawinul Park", "Hammerschmidgossn" und natürlich das "Hameau", um das (und zu dem) es zu Beginn der zweiten "Schau Ma"-Staffel geht. Bauwerke wie das Krankenhaus "St. Elisabeth" oder der "Flagduam" im dritten Bezirk werden beschrieben, kommunikative Orte wie das (ebenfalls von einem Flakturm beherbergte) "Haus des Meeres" oder das verrauchte "Café Ministerium". Auch in Menschen-Porträts vom "Madl aus da Lobau", den Prater-Huren in "Wien" oder den Bewohnern der Donauauen östlich Wiens ist die Stadt (bzw. ihre Umgebung) als formativer Faktor herauszuspüren.

Natur ohne Idylle
Moldens Texte vermitteln eine - so ausgeprägt selten sonst wo anzutreffende - Dualität zwischen urbanen Szenarien und Schilderungen der Natur, die kaum Idyllisches an sich haben, vielmehr wie etwa in "Grizznduaf zwaadosndzwaa" von der Faszination an ihren archaischen, schaurig-schönen, manchmal schrecklichen Gewalten zeugen.

W24 hatte die gleichermaßen mutige wie naheliegende und letztlich mit Erfolg belohnte Idee, diese Stadt- und Landschaftsszenarien mit dem Künstler selbst als Tourführer zu visualisieren. Die erste Staffel erzählte mit den Schauplätzen Friedhof der Namenlosen und Nationalpark Donauauen von Moldens bekannter Donau-Obsession ebenso vital wie von innerstädtischen Szene-Tummelplätzen wie Erich Johams Friseur-Salon.

In der zweiten, neuerlich von Kurt Raunjaks Produktionsfirma wienweit medien gefertigten Staffel besuchen Molden und Soyka den Friedhof St. Marx, das Strombad Kritzendorf, den Heurigen Hengl Haselbrunner und den Donaupark. Gäste sind neben Resetarits weitere alte Bekannte wie Der Nino aus Wien oder Zitherspieler Karl Stirner, aber auch Schauspielerin Ursula Strauss und Allround-Künstler Gerald Votava.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-11-22 16:14:08
Letzte Änderung am 2016-11-22 17:59:09


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