"Ich hoffe, dass ich diese Welt ändern kann, in der die Regeln von Ausländern diktiert werden." Man kann Wang Jianlin zumindest nicht vorwerfen, dass er besagte Welt über seine Absichten im Unklaren lassen würde - auch wenn diese derzeit oft nicht einmal seinen Namen kennt. Das sollte sie aber: Der 62-jährige Wang ist laut dem Magazin "Forbes" mit einem geschätzten Privatvermögen von rund 28 Milliarden Euro der reichste Chinese. Er hatte mit seinem 1988 gegründeten Unternehmen "Wanda Property Company" sein Geld zunächst mit Immobilienprojekten in der nordchinesischen Hafenstadt Dalian verdient. Doch bald dehnte er sein Imperium auf ganz China aus und errichtete Luxushotels, Einkaufszentren und die größte Kinokette Chinas. Dabei dürfte er auf den Geschmack gekommen sein, denn seitdem setzt die Wanda-Group verstärkt auf Investitionen im Unterhaltungsbereich - und immer mehr von diesen gehen gezielt ins Ausland.

Ironman und James Bond


Im Jahr 2012 erwarb Wang für rund zweieinhalb Milliarden Euro die strauchelnde US-Kinokette AMC und damit in weiterer Folge die europäischen Betreiber Odeon und UCI Cinemas. Auch im Sport wurde Wanda aktiv: Im August 2015 kaufte die Gruppe für 650 Millionen US-Dollar die Marke "Ironman" und die World Triathlon Corporation. Für gut eine Milliarde Euro erwarben die Chinesen den Schweizer Sportvermarkter Infront mit Geschäftsführer Philippe Blatter und Nahverhältnis zur Fifa. Die spektakulärsten Coups gingen jedoch in diesem Jahr über die Bühne: In der bisher größten chinesischen Übernahme in Hollywood kaufte die Wanda-Gruppe für 3,2 Milliarden Euro Legendary Entertainment; das kalifornische Filmstudio steht hinter Blockbustern wie "Jurassic Park", "Batman", "Godzilla" oder "Inception". Vor einigen Wochen gaben die Chinesen nun eine "enge Kooperation" mit dem Hollywood-Studio Sony Pictures bekannt. Zu Sony Pictures gehören unter anderem die traditionsreichen Columbia-Filmstudios, die etwa den jüngsten James-Bond-Film "Spectre" auf den Markt gebracht haben. Zuletzt übernahm Wanda für eine Milliarde Dollar Dick Clark Productions, die Produktionsfirma der Golden-Globes-Show.

Doch damit ist der Appetit des Magnaten keineswegs gestillt. Sein größtes Ziel - die Übernahme eines der sogenannten "Big Six"-Hollywood Studios - ist ihm bislang verwehrt geblieben. Zwar gab es im Sommer Gespräche, wonach Wanda 49 Prozent der Anteile von Paramount Pictures kaufen sollte, doch diese scheiterten in letzter Minute. "Nur diese sechs Firmen sind echte, globale Filmunternehmen, der Rest ist es nicht. Wenn wir ein echtes Filmimperium errichten wollen, ist eine Übernahme ein notwendiger Schritt", diktierte Wang leicht angesäuert einem Reporter von Reuters.