Kein Schwarz, kein Weiß


Zu glauben, dass Trump mehr oder weniger zufällig den Stein der Weisen entdeckt hat, während Hillary Clinton in nobler Rechtschaffenheit untergegangen ist, ist freilich naiv. Auch ihre Kampagne beschäftigte dutzende Datenanalytiker. Auch sie führte einen Wahlkampf, der es an Negativbotschaften gegen Trump nicht missen ließ. Allerdings spielt auch der Kandidat eine massive Rolle. Da Trump durch seine erratischen Reden viele Grenzen der üblichen Rhetorik niederriss, gab es auch viel mehr griffige Botschaften, die man dem jeweiligen Zielpublikum zum Fraß vorwerfen konnte. Das erhöht natürlich die Schlagkraft solcher Kampagnen enorm.

Doch ohne persönlichen Kontakt kommt man in den USA im Wahlkampf nicht weit. Dabei werden die Daten aus den Vorhersagemodellen über die Wähler immer genauer. So hatten die Trump-Helfer eine App, die ihnen schon vor dem Klingeln an einer Haustüre genau Auskunft gab, was sie hinter der Türe zu erwarten hatten und welche Botschaften hier auf Gehör stoßen konnten. Nach dem Besuch wurde ein Feedback erstellt, das wiederum in die Modelle einfloss. Auch so kann man mit zehntausenden Besuchen die Vorhersagen immer detaillierter verbessern. Neu ist freilich auch das nicht: Auch Obamas Leute hatten ein System, das bis zur Perfektion getrieben wurden. Wie auch Trump, konnte der vor den Vorwahlen eher unbekannte Senator so eine Welle der Begeisterung entfachen, ganz im Gegensatz zu Hillary Clinton, bei der der Funke einfach nicht überspringen wollte.

Es ist wohl eine ganz spezielle Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet ein Computerverweigerer wie Trump, der außer seinem notorischen Twitter-Konsum keinerlei Affinität zu moderner Kommunikation zeigt, durch genau solche an die Macht gekommen ist. Wie nachhaltig das sein wird, muss sich aber erst zeigen.