Das Gerücht hielt sich hartnäckig: Der große Zeichner, Filmproduzent und Unternehmer Walter Elias "Walt" Disney sei zwar tot, würde jedoch eventuell wieder unter die Lebenden zurückkehren. Noch vor seinem Ableben habe er nämlich arrangiert, dass man ihn einfrieren möge. Nun warte er in einer Kammer, umgeben von flüssigem Nitrogen, geduldig darauf, dass die Medizin es eines Tages ermöglichen würde ihn wieder aufzutauen und ins Leben zurückholen.

Es war ein unsinniges Gerücht. Dass es jedoch überhaupt in Umlauf geraten ist, liegt vermutlich daran, dass Walt Disney als technischer Innovator bekannt war. Und dass wenig bis gar nichts über seine Beisetzung bekannt gemacht wurde.

Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass die Menschen nicht wahrhaben wollten, dass jener Mann, der so viel Zauber und Unterhaltung in ihre Leben gebracht hat, auf einmal nicht mehr da war. Dass der Erfinder zahlreicher lieb gewonnener Figuren, die er zum Leben erweckt hat, nicht in der Lage war, sich selbst wieder zum Leben zu erwecken. Dass kein Zauber innovativ genug war, um sich etwas so Banalem wie dem Tod zu widersetzen.

Am 15. Dezember jährt sich der Todestag von Walt Disney zum 50. Mal. Der ORF nimmt dies zum Anlass für einen Programmschwerpunkt und zeigt das unterhaltsame Hollywood-Märchen "Saving Mr. Banks" (Sa., 20.15 Uhr, ORFeins), in dem Walt Disney (Tom Hanks) der widerspenstigen Autorin P. L. Travers (Emma Thompson) die Filmrechte für ihr erfolgreiches Kinderbuch "Mary Poppins" abkaufen möchte, um es auf die Kinoleinwand zu bringen.

Visionär und Ausbeuter


Ein besonders Highlight ist zudem eine neue zweiteilige Dokumentation, die sich mit dem facettenreichen Leben und nachhaltigen Vermächtnis des Cartoonisten und Filmproduzenten befasst, hinter dem sich ein Mensch mit vielen Gesichtern verbarg: ein Visionär und Intrigant, Idealist und Ausbeuter zugleich.

Im ersten Teil von "Walt Disney - Der Zauberer" (So., 23.05 Uhr, Teil zwei am Mo., 23.15 Uhr, beide ORF2) befasst sich Filmemacherin Sarah Colt mit dem Aufstieg des mächtigen Medien- und Unterhaltungskonzern Walt Disney. Der Fokus liegt dabei auf den Jahren 1901 bis 1941, eine Zeit, in der "Walt" nicht nur mehr Oscars als jeder andere in der Branche für sich beanspruchen konnte, sondern nebenbei auch noch eine neue Form der Kinokunst erschuf.

1901 in Chicago geboren, verbrachte Walt als viertes von insgesamt fünf Kindern, seine Jugend auf einer Farm in Missouri. Schon mit vierzehn nahm er das erste Mal Kunstunterricht und fand Gefallen am Zeichnen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann er gemeinsam mit dem Zeichenkünstler Ubbe "Ub" Iwerks, der später auch das Modell für Mickey Mouse entwerfen sollte, kurze Werbefilme zu zeichnen. Unbeirrt kämpft er sich nach Los Angeles durch, wo die Filmbranche immer neue Höhepunkt erlangt und im Jahr 1928 auch ihm den großen Durchbruch ermöglicht: Mit "Steamboat Willie" avancierte Disneys Micky Maus zum Hollywoodstar - und Walt mit ihr. Mit darauffolgenden Filmen wie "Schneewittchen und die sieben Zwerge", "Pinocchio" und "Bambi" feierte er große Erfolge und erschuf Werke für die Ewigkeit.

Der zweite Teil der Dokumentation beschäftigt sich sodann mit den weniger erfolgreichen Jahren der Walt Disney Company, deren Auslöser zum einen eine kreative Durststrecke war, zum anderen der erhebliche Imageschaden, den das Unternehmen erlitt. Walt Disney hatte nämlich wenig Interesse daran, mit der Gewerkschaft der Cartoonisten in Hollywood zu verhandeln, die zum Aufstand riefen. Er zog sich zurück, verlor sich in scheinbar wirren Fantasien über Modelleisenbahnen, für die er wie ein Besessener Gleise auf seinem Grundstück verlegte. Was als Verrücktheit eines hochverschuldeten Mannes empfunden wurde, war jedoch die Grundidee für ein geniales Geschäftsmodell, das Walt Disney einmal mehr an die Spitze bringen sollte. Es waren dies nämlich die ersten Ideen für das heute weltberühmte "Disneyland", ein glücklicher und fröhlicher Ort, an dem alle Cartoon-Figuren auch noch lange nach seinem Tod für immer vereint sein sollten.