• vom 14.12.2016, 17:21 Uhr

Medien

Update: 22.12.2016, 14:44 Uhr

Medien

15 Sekunden Ruhm




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Adrian Lobe

  • Die bei Jugendlichen boomende Foto-App Snapchat hat eine Videobrille lanciert, mit deren integrierter Kamera sich jeder Moment filmen lässt. Kommt jetzt die Zeitenwende für tragbare Gadgets?

Der Reiz des Flüchtigen: Snapchat inszeniert seine Foto-Brille als Lifestyle-Produkt.

Der Reiz des Flüchtigen: Snapchat inszeniert seine Foto-Brille als Lifestyle-Produkt.© afp/Snapchat Der Reiz des Flüchtigen: Snapchat inszeniert seine Foto-Brille als Lifestyle-Produkt.© afp/Snapchat

Venice. In den USA war kürzlich ein sonderbares Schauspiel zu beobachten: Im ganzen Land standen Menschen Schlange vor knallgelben Boxen, um eine Sonnenbrille zu erwerben, die wie aus einem Katalog der 1950er Jahre aussieht. Der Social-Media-Dienst Snapchat hatte werbewirksam Verkaufsautomaten an belebten Einkaufsmeilen von Großstädten und Stränden platziert, wo das Start-up seine neue Brille Spectacles offerierte.

Das Besondere an der Sonnenbrille ist, dass sie über eine eingebaute Kamera verfügte, mit der sich Kurzvideos drehen lassen. Kostenpunkt: 130 Dollar. Um die smarte Video-Brille ist ein regelrechter Hype entstanden. Die Kunden rannten Snapchat die Bude ein. Weil das Kontingent begrenzt war, wurden auf eBay mehrere hunderte Dollar aufgerufen, um ein Exemplar der smarten Brille zu ergattern. Der Produktlaunch war nicht nur ein PR-Coup - Bilder von Menschen, die am Venice Beach vor einer mit gelben Luftballons dekorierten Box Schlange standen, wurden gleich mitgeliefert. Es könnte auch eine Zeitenwende der Live-Gesellschaft markieren.


Das Technik-Magazin "Wired" rief prompt den Beginn der "camera-first"-Zukunft aus, in der jeder Moment festgehalten werde. "Indem Kameras immer weiter verbreitet sind und leistungsfähiger werden, werden sie mehr als nur Werkzeuge sein, mit denen man schöne Aufnahmen vom Grand Canyon oder der epischen (Kaffee-)Latte-Kunst macht. Kameras werden die Augen sein, durch die unsere Computer die Welt sehen, und durch die wir die Welt der anderen sehen werden."

Um es sich vor Augen zu halten: Snapchat ist diese für Erwachsene unverständliche App, bei der Jugendliche Bilder versenden, die nach zehn Sekunden wieder verschwinden. Sagte Andy Warhol einst, in Zukunft werde jeder 15 Minuten berühmt sein, ist dieser Ruhm heute auf ein paar Sekunden zusammengeschnurrt. Im Juli hat Snapchat zwar eine Speicherfunktion eingeführt, die aber nicht wirklich genutzt wird. Die Nutzer haben es sich in einer Sorglos-Blase wohlig eingerichtet. Man muss sich keine Gedanken machen, was man postet, weil alles flüchtig ist und sofort wieder verschwindet.

Mit Bildern sprechen
Mit der Videobrille hat die mitteilungsbedürftige Adoleszenz nun auch die passende Hardware parat. Als Spectacles auf den Markt kam, sagte Snapchat-Chef Evan Spiegel dem "Wall Street Journal": "Die Leute fragen sich, warum ihre Tochter 10.000 Fotos am Tag macht. Warum realisieren sie denn nicht, dass sie keine Bilder speichert. Sie redet." Snapchat will seinen Dienst nicht als profanes Plappermedium verstanden wissen, sondern als neue Form der Echtzeit-Kommunikation. Bewegtbilder sprechen eine eigene Sprache.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Medien, Digital, Snapchat

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-12-14 17:26:09
Letzte Änderung am 2016-12-22 14:44:04



Black Music

Als "funky" noch muffig bedeutete

Schon Antonin Dvorak soll gesagt haben: "In den Negermelodien Amerikas entdecke ich eine große und edle Schule der Musik... weiter




Comic

Subversive Unbekümmertheit

Subtiler Unsinn: beide Bilder aus dem Comic "Das Ritual". - © Nicolas Mahler Außerirdische sind auf der Erde eingetroffen. Figuren mit langen Nasen, ihre Arme reichen bis zum Boden, von ihren Helmen ragen stockartige Antennen... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. RAF Camora und Bonez MC kommen nach Wien:
    Maseratis, Koks und Halbstarke
  2. "Den besten Horror machen die Österreicher"
  3. Warum man nicht unendlich weit sieht
  4. standpunkt
  5. "Habe einen anderen Blick auf die Welt"
Meistkommentiert
  1. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  2. Amadeus-Veranstalter müsse Absagen "akzeptieren"
  3. Wie weit darf Kunst gehen?
  4. Jazz ist die Seele Amerikas
  5. Israelischer Heimathass, fatale Folgen und missbrauchte Kinder


Quiz


Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung