• vom 13.02.2017, 16:16 Uhr

Medien


Medien

Mediaprint und ORF gehen gegen ATV-Deal vor




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (34)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernhard Baumgartner

  • Stellungnahmen im Kartellverfahren könnten vertiefte Prüfung auslösen - Angebot von RTL.

ATV-Zentrale in Wien-Leopoldstadt. Der Verkauf von ATV könnte sich doch noch weiter in die Länge ziehen. - © apa

ATV-Zentrale in Wien-Leopoldstadt. Der Verkauf von ATV könnte sich doch noch weiter in die Länge ziehen. © apa

Wien. Der Deal zwischen ATV-Eigentümer Herbert Kloiber und ProSiebenSat1 über den Verkauf der heimischen ATV-Gruppe an ProSiebenSat könnte im Kartellverfahren noch auf Schwierigkeiten stoßen. Nach Informationen der "Wiener Zeitung" werden sowohl die Mediaprint als auch der ORF fristgerecht bis Mitte kommender Woche negative Stellungnahmen bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) abgeben. Im ORF fand zu diesem Thema am Montag eine Sitzung statt. Der ATV-Eigentümer wollte den Deal als "Sanierungsfusion" durchgewunken wissen - da jedoch sogar mehrere andere Angebote vorliegen, dürfte das nun nicht mehr so einfach gehen.

Zentrale Stoßrichtung der Vorwürfe bei ORF und Mediaprint: Die Auflagen der Bundeswettbewerbsbehörde gehen den Mitbewerbern nicht weit genug. Mit der Sache vertraute Personen kritisieren etwa, dass zwar die Integrität der ATV-Redaktion, nicht jedoch jene von Puls4 gesichert wurde. So könnte es etwa der Fall sein, dass statt bei ATV Abbaumaßnahmen bei Puls4 gesetzt werden. Auch ATV2 ist von den Auflagen gar nicht erfasst, es wäre ProSiebenSat1 daher möglich, mit dem Sender nach Belieben ohne behördliche Einmischung zu verfahren.


Bis Mitte der kommenden Woche haben die Marktteilnehmer Zeit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Danach entscheidet die Bundeswettbewerbsbehörde, ob der Deal dennoch durchgeht oder ob eine vertiefte Prüfung vor dem Kartellgericht nötig ist. In der Vergangenheit war so etwas bereits öfters der Fall. Ein Verfahren vor dem Kartellgericht kann bis zu einem halben Jahr dauern. Gut möglich, dass der Deal aufgrund der Prüfung dann doch nicht zustande kommt. Das Closing des Deals ist wohlweislich erst für nach dem Ende der Prüfung angesetzt. Bei Verfahren der BWB geschah es bereits öfters, dass Unternehmen die vertiefte Prüfung nicht abgewartet haben und die Kartellanmeldung von sich aus zurückgezogen haben.

50 Millionen Euro für ATV
Die Mediaprint wird indessen mit IP/RTL gemeinsam ein Angebot für ATV legen, wie "Kronen Zeitung"-Herausgeber Christoph Dichand dem "Standard" bestätigte. Das war schon länger erwartet worden. Ein konkretes Angebot ist bisher jedoch aufgrund des Zögerns der Essener Funke-Gruppe, Mitgesellschafter bei "Krone" und "Kurier", nicht zustande gekommen. Nachdem Essen nun grünes Licht gegen hat, wird sich wohl auch ATV-Eigentümer Herbert Kloiber nochmals mit dem Angebot befassen. Dem Vernehmen nach ist die Mediaprint bereit, 50 Millionen Euro in ATV zu investieren. Darin sind jedoch auch die ersten fünf Jahre des Betriebes von ATV enthalten. Der reine Kaufpreis soll demnach bei etwa 25 Millionen Euro liegen. ProSiebenSat1 soll Kloiber für seine Anteile mehr als 20 Millionen Euro geboten haben.

Das ist im heimischen Medienmarkt doch relativ viel Geld für einen Sender, der in den vergangenen Jahren lediglich Verluste gemacht hat. Attraktiv an ATV ist jedoch die aufrechte Sendelizenz, die gut eingeführte Marke und der dritte Senderplatz, den ATV auf sehr vielen Programmlistings und Fernbedienungen hat. TV-Anbieter können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, die Zuschauer dazu zu bewegen, einen Sender in ihre Favoritenliste zu verschieben - geschweige denn auf den dritten Platz hinter ORFeins und ORF2.




Schlagwörter

Medien, Fernsehen, ATV, ORF, Mediaprint, BWB

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-02-13 16:20:05



Comic

Die Maus aus Missouri

Wurden heuer im Jänner auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt: Mickey & Minnie. - © Frederic J. Brown/afp Herr Maus trat seine Laufbahn beim Film eigentlich unfreiwillig an. Der Kollege Hase, Oswald the Rabbit, hatte die Rolle zuerst bekommen... weiter




Comics

Übersetzung von Wirklichkeit

Der Comic "Der Riss"  folgt den EU-Außengrenzen. - © Reiterer "In einem gewöhnlichen Buch hätte man eine so komplexe Geschichte nicht wiedergeben können." Um die Zusammenhänge... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Im Bürgerkrieg der Gefühle
  2. "Rhetorik des Hasses"
  3. Marie Bäumer: "Meine Romy sollte kein Imitat werden"
  4. Zwischeneiszeit im ORF
  5. Letzte Umkehr
Meistkommentiert
  1. Armin Wolf klagt FPÖ wegen Facebook-Posting
  2. ÖVP/FPÖ sorgen für Zweidrittelmehrheit im ORF
  3. "Kultur in harten Kämpfen verschonen"
  4. Spiel dich – verkühl dich nicht!
  5. Wortgefahr


Quiz


Bille August.

Am Donnerstag, 15. Februar 2018, ging die Eröffnung der 68. Berlinale über den roten Teppich. Zahlreiche Stars aus nah und fern waren mit dabei.

Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer. Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede

Werbung



Werbung


Werbung