Seine choreografische Handschrift ist unverwechselbar. Elegant und außerordentlich musikalisch, zwischen neoklassischem und zeitgenössischem Stil sind seine Tänzer vor allem sehr unterschiedliche Charaktere, die aber eines verbindet: tadellose Tanztechnik. Der US-Amerikaner John Neumeier zählt mit seinen Werken zu den am häufigsten aufgeführten Choreografen weltweit, und ist auch dem Wiener Publikum bereits seit vielen Jahren kein unbekannter Tanzschaffender.

So choreografierte er etwa 1977 seine Version des biblischen Stoffes "Die Josefslegende" für das Ballett der Staatsoper - das heutige Wiener Staatsballett. Es folgten immer wieder Gastspiele mit seinem Ensemble, dem Hamburg Ballett, das er inzwischen seit 45 Jahren leitet, im Theater an der Wien etwa.

Nijinskys größter Fan

Am Vortag der Ballett-Premiere an der Wiener Staatsoper am 19. Februar und wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag am 24. Februar ist Neumeier zu Gast im "Klassik-Treffpunkt" bei Renate Burtscher. Thematisiert wird seine aktuelle Arbeit für das Staatsballett, nämlich "Le Pavillon d’Armide" und "Le Sacre". Roter Faden in diesem zweiteiligen Ballettabend ist der ehemalige Tanzstar Vaslav Nijinsky (1889-1950), der zur Zeit des Ballet Russes Tanzgeschichte schrieb - etwa mit diesen beiden Stücken. Der Tanzschaffende Neumeier ist vermutlich einer der größten Fans Nijinskys: Neben zahlreichen Choreografien rund um Nijinsky und dessen Leben besitzt er auch die weltweit größte Nijinsky-Sammlung, die er in seiner Villa ausgestellt hat.

Seine Begeisterung begann schon sehr früh: Bereits sein erstes Engagement führt ihn 1960 zu Sybil Shearer nach New York, die ebenfalls Nijinsky verehrte. 1962 geht Neumeier an die Royal Ballet School nach London und nimmt Ballettunterricht bei der russischen Tänzerin Vera Volkova in Kopenhagen. Nach seiner Rückkehr wird er von Marcia Haydée und Ray Barra entdeckt und nach Stuttgart engagiert, wo John Cranko die BallettKompagnie der Staatsoper neu formiert. Er unterstützt ihn in seinem Wunsch, selbst zu choreografieren - mit erst 27 Jahren wird Neumeier in Frankfurt jüngster Ballettdirektor Deutschlands - heute ist er nach 45 Jahren in Hamburg der am längsten amtierende Ballettdirektor, der neben einer renommierten Ballettschule auch eine Stiftung aus der Taufe hob.