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Update: 10.03.2017, 09:04 Uhr

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Von Bernhard Baumgartner

  • Der ORF steht vor einer Strukturreform größeren Ausmaßes. Die Fernsehdirektorin wird zusehends entmachtet.

Die Harmonie könnte täuschen: ORF-Chef Alexander Wrabetz ist dabei, maßgebliches Personal aus der Fernsehdirektion abzuziehen. - © apa

Die Harmonie könnte täuschen: ORF-Chef Alexander Wrabetz ist dabei, maßgebliches Personal aus der Fernsehdirektion abzuziehen. © apa

Wien. Wer schafft wem was an? Wer kontrolliert wen? Und natürlich: Warum überhaupt das Ganze? Der ORF steht in diesen Tagen vor einer der größten strukturellen Reformen der vergangenen Jahrzehnte, je nachdem, was bei den Überlegungen, die Generaldirektor Alexander Wrabetz derzeit für den ORF hegt, tatsächlich herauskommt. Wenn das Konzept, das Wrabetz im Kopf hat und das er am Mittwoch Redakteursvertretern vorstellte, in diesem Ausmaß kommt, ist es wirklich der Beginn einer Neuaufstellung, deren Auswirkungen mittelfristig noch nicht abschätzbar sind. Wenn es den Personalvertretern doch noch gelingt, das Konzept abzuschwächen, kommt ein Reförmchen heraus, das wohl keinen Schaden anrichtet, aber naturgemäß auch keine Ansage an die Zukunft des Unternehmens ist.

Die Fakten, soweit bekannt: Früher gab es im ORF-Fernsehen zwei Direktoren, einen für Information und einen für Programm. Der Informationsdirektor ist bereits seit längerem abgeschafft, nun geht es offenbar auch an die Redimensionierung der Aufgaben, die bisher unter Fernsehdirektorin Kathrin Zechner gebündelt waren. Denn ORF1 und ORF2 sollen zwei "Channel Manager" bekommen. Deren Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass die beiden TV-Sender eine eigene Handschrift und Linie bekommen. Sprich: Die Ausdifferenzierung, die die beiden Kanäle des ORF schon länger haben, nochmals zu intensivieren und sozusagen eine "Genetik" des Senders zu definieren und mit Leben zu füllen, wie es mit der Sache vertraute Personen fast poetisch formulieren. Klingt nach einer Herkulesaufgabe. Was zwei Fragen aufwirft: Was heißt das in der Praxis und inwieweit wäre das nicht eigentlich die Aufgabe der erst kürzlich wiederbestellten Fernsehdirektorin, deren Enthusiasmus über solche Überlegungen naturgemäß endenwollend ist?


Was heißt das jetzt?
So sinnvoll die Aufgabe auf dem Papier klingt, so schwierig ist es, sie in der ORF-Realität zu verankern. Wrabetz hat vor, diese "Channel Manager" nicht in der Fernsehdirektion anzusiedeln, sondern direkt unter sich in der Generaldirektion. Sie sollen jenseits der gewachsenen Strukturen noch zu definierenden Einfluss auf alle Programme bekommen, die auf ihrem Channel laufen, von den Nachrichten bis zum Programm. Sogar wohlwollende Beobachter tun sich damit schwer, das nicht als offene Entmachtung der amtierenden Programmdirektorin zu sehen, bei der sich bei Voll-Einführung einer solchen Struktur wohl die Sinnfrage stellt. Darüber hinaus ist die Frage, wie weit das Durchgriffsrecht der "Channel Manager" gehen soll: Können sie direkt auf Personal und Ressourcen zugreifen, die eigentlich einer anderen Abteilung zugeordnet sind, oder müssen sie einen Konsens herbeiführen? Es sieht derzeit nach Ersterem aus. Aber nur zum Teil, was eine Parallelstruktur bedeuten würde.

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Schlagwörter

ORF, Strukturreform, Medien, Politik

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-09 16:42:05
Letzte nderung am 2017-03-10 09:04:20



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