Am Anfang waren es sechs. Sechs Länder, Italien, Belgien, Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Luxemburg und die Niederlande, die am 25. März 1957 im historischen Senatorenpalast am Kapitol in Italien Verträge unterzeichneten, die nicht nur den Grundstein für Europa in seiner heutigen Form legten, sondern auch den Auftakt zur längsten Friedensperiode in der europäischen Geschichte bildeten. Zudem wurde ein gemeinsamer Markt geschaffen, der mehr Freiheiten für den Bürger ermöglichte: Waren, Dienstleistungen und Kapital konnten erstmals frei zirkulieren.

Mit diesen sogenannten Römischen Verträgen kamen nur fünf Jahre nach der 1952 gegründeten Gemeinschaft für Kohle und Stahl die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Atomgemeinschaft Euratom hinzu - insgesamt gab es nun also drei Organisationen, die für ein Europäisches Miteinander standen und die Ausgangslage für die Europäische Union bildeten.

Dieser Tage jährt sich die Unterzeichnung der Römischen Verträge zum bereits 60. Mal. Als europäischer Kulturkanal widmet Arte diesem Ereignis einen umfangreichen und vielfältigen Programmschwerpunkt und blickt aus historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Perspektiven auf die europäische Wertegemeinschaft. Gestartet wird am heutigen Samstag mit der Erstausstrahlung der zehnteiligen Doku-Reihe "Ach, Europa!" (Sa. und Di., ab jeweils 20.15 Uhr, alle Arte). Darin werfen die Moderatorinnen Annette Frier und Antonia de Rendinger einen heiter-kritischen Blick auf die Geschichte Europas, die dem Entstehungsmythos zufolge eine Gestalt der griechischen Mythologie, eine Prinzessin, war, in die sich der Göttervater Zeus verliebt hat. Die Griechen waren es auch, die uns vorlebten, wie eine Zivilisation zu funktionieren hat. Sie dienten den Römern als Vorbilder, die dann wiederum der mediterranen Kultur im Rest Europas zum Durchbruch verholfen hat.

Ein Happy End für Europa?


Die Zeitreise endet mit einem nüchternen Blick auf einen Kontinent, der die Welt zweimal ins totale Chaos gestürzt hat und 40 Jahre lang durch einen Eisernen Vorhang getrennt war, der das angestrebte Miteinander in ein gegnerisches Ost und West verwandelte. Heute bietet sich freilich ein anderes Bild: Die Europäische Union wächst, man geht wieder friedlicher miteinander um - ist das das Happy End für Europa? Nicht wirklich. Denn nach wie vor sind sich die Bewohner Europas oft nicht einig, streiten miteinander. Und trotzdem, so befindet die Doku-Reihe am Ende ihrer Reise, ist das Europa von heute das beste, das es je gab.

Am Montag folgt anlässlich des Jubiläums eine weitere Dokumentation als Erstausstrahlung, in der Jan Gassmann ein aktuelles Bild der jungen Generation eines alternden Kontinents liefert. Er erzählt die Geschichte von vier Paaren in vier europäischen Städten und schafft mit "Europe, she loves" (Mo., 23.55 Uhr) einen politischen Film über Liebe inmitten der Krise. Ebenfalls Teil des Schwerpunkts, ist der Blick auf mehr als 120 Jahre Europäisches Kino. In "CineKino" (Mi., 21.45 Uhr) werden Höhepunkte aus zehn Ländern präsentiert und ein cineastisches Europa gezeigt, das für über 1000 neue Produktionen im Jahr verantwortlich ist.

Und schließlich wendet sich die Dokumentation "Kampf um Europa" (Di., 21. März, 20.15 Uhr) den aktuellen und früheren Fehlern zu, die schon öfters den Anfang vom Ende der EU einleiteten. Aufgedeckt werden geopolitische Strategien und Allianzen, die die Geschichte nachhaltig beeinflusst haben. Im Anschluss bietet die Dokumentation "Am Anfang waren’s sechs: Die Römischen Verträge" einen würdigen Abschluss des Themenschwerpunkts. Sie führt die Zuseher noch einmal zurück an jenen historischen Tag, an dem die Verträge in Rom unterzeichnet wurden - und gewährt dabei Einblicke in die bisher geheimen Verhandlungen. Einblicke, die vermuten lassen, dass die Unterzeichnung einen weitaus bedeutsameren politischen Akt des 20. Jahrhunderts darstellt, als ursprünglich angenommen und deshalb zu Recht einst vom deutschen Bundeskanzler Adenauer als "vielleicht wichtigstes Ereignis der Nachkriegszeit" bezeichnet wurde.