Der Philosoph Byung-Chul Han schreibt in seinem Buch "Psychopolitik": "Die heutige Krise der Freiheit besteht darin, dass wir es mit einer Machtform zu tun haben, die die Freiheit nicht negiert oder unterdrückt, sondern sie ausbeutet. Der ,Like‘-Button ist ihr Signum. Man unterwirft sich dem Herrschaftszusammenhang, während man konsumiert und kommuniziert, ja während man ,Like‘-Button klickt." Facebook legitimiert sich über Likes. Und je öfter der Button gedrückt wird, desto mehr zementiert man diesen Herrschaftsanspruch. "Die Herrschaft steigert ihre Effizienz, indem sie die Überwachung an jeden Einzelnen delegiert. ,Like‘ ist digitales Amen. Während wir ,Like‘ klicken, unterwerfen wir uns dem Herrschaftszusammenhang." Der Like-Button sei kein demokratisches Instrument, sondern ein antidemokratisches, weil er nur das Mittel der Zustimmung kennt. In seinem Buch "Die Errettung des Schönen" stellt Han die These auf, dass das Glatte die Signatur der Gegenwart sei. "Das Glatte verletzt nicht. Von ihm geht auch kein Widerstand aus. Jede Negativität wird beseitigt." Auch das Dislike stellt ein "kommunikatives Glättemittel" dar, nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional, weil er Missfallensbekundungen gleichförmig macht und die Pluralität der Meinungen einebnet. Der Button differenziert nicht, ob jemand einfach nur "trollt" oder inhaltliche Vorbehalte äußerst. Der binär operierende Algorithmus kennt keine Grauzone.

Shitstorm bringt mehr Geld

Eine Plattform, in der Milliarden Menschen in Echtzeit über Themen abstimmen können, ist die höchste Form der plebiszitären Demokratie. Entscheidung per Mausklick, demokratischer geht es nicht. Hop oder top - tertium non datur. Doch diese Dichotomie zwischen Gefällt-mir und Gefällt-mir-nicht existiert nicht - es ist die Suggestion der Entscheidungsfreiheit. In Wirklichkeit ist jeder Knopfdruck eine Stimme für Facebook - egal, ob positiv oder negativ.

Jarett Kobek schreibt in seinem Buch "Ich hasse dieses Internet", dass Kapitalismuskritik auf Facebook nichts bringe, weil der Tech-Konzern damit nur ein paar Dollar mehr verdient. Es ist diese Kapitalisierung des Diskursförmigen, das jeden Protest in den Serverfarmen diffundieren lässt. Wie man soll man auf Trumps permanente Denunziationen auf seiner Facebook-Seite reagieren? Soll man es disliken? Oder bringt man damit nicht doch seine Zustimmung zum Ausdruck, weil man Aufmerksamkeit erzeugt und Trumps Tremolo befeuert? Oder würde sich mit der Freischaltung des Dislike-Buttons der Hass im Netz endgültig Bahn brechen?

Die Politik tat lange so, als wäre der Hass im Netz nur ein ästhetisches Problem, die hässliche Fratze des Diskurses, die man einfach nur kaschieren müsse. Doch dahinter stecken tiefer greifende Ressentiments. Mit dem Ausrollen eines Dislike-Buttons könnten gesellschaftliche Dispositionen wie die Missachtung von Menschenrechten sichtbar werden. Allein, Facebook geht es nicht um Menschenrechte, auch wenn sich Zuckerberg einer globalen Heilsmission verschreibt, sondern um Engagement und letztlich um Profit. So zynisch es klingen mag: Hass füllt die Werbesäckel des Internetkonzerns. Vielleicht ist das der Grund, warum Facebook so zögerlich mit der Zensur von Hasskommentaren ist. Je lauter die Buhrufe sind, desto größer ist der Widerhall der Werbeindustrie in der Arena Facebook. Und wie bei den römischen Gladiatorenkämpfen reckt die Plebs den Daumen nach oben oder unten. Mit dem Dislike-Button stützt man das System Facebook. Und das gefällt vor allem Mark Zuckerberg.