• vom 30.03.2017, 16:01 Uhr

Medien

Update: 31.03.2017, 10:30 Uhr

Medien

Stichwortgeber der Datenmaschinerie




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Adrian Lobe

  • Google weist jedem Wort einen Werbewert zu - über die Kommerzialisierung von Internet-Suchen.

Jedes Wort, das jemand in Google eingibt, hat einen bestimmten Wert für Anzeigenkunden. - © ap/Jeff Chiu

Jedes Wort, das jemand in Google eingibt, hat einen bestimmten Wert für Anzeigenkunden. © ap/Jeff Chiu

Wien. Im Internet gibt es schätzungsweise eine Milliarde Webseiten. Vieles davon ist nicht lesbar, kryptische Kürze und Programmiercodes, der Maschinenraum des Cyberspace. Und doch ist die Frage, was Worte eigentlich für einen Wert haben in einer Zeit, in der Algorithmen unser Geschriebenes auslesen und uns automatisch unsere Sätze vervollständigen und Suchbegriffe vorschlagen, wo Roboterjournalisten millionenfach standardisierte Finanz- und Sportartikel generieren und KI-Systeme bereits Romane mitverfassen. Wiegen Worte mehr als Programmiervorschriften? Was bedeutet Sprache im Zeitalter algorithmischer Reproduktion?

Das sind die Forschungsfragen, mit denen sich die britische Wissenschafterin Pip Thornton in ihrer Dissertation auseinandersetzt und worüber sie auf ihrem Blog "Linguistic Geographies" schreibt. Worte wurden ja schon immer verkauft. Der französische Schriftsteller Honoré Balzac beschreibt in seiner jüngst auf Deutsch erschienen Typologie der Journalisten ("Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken. Die schrägen Typen der Journaille"), wie Autoren im Frühkapitalismus für mickriges Zeilengeld für die ersten Zeitungen schrieben und sich dabei korrumpieren ließen ("Der Zeilenangler ist der Autor, der von der Zeile lebt wie der Angler von der Schnur"). Das Neue ist jedoch, dass Worte von Algorithmen arrangiert und wie auf einem Basar an den Meistbietenden verkauft werden.


Um herausfinden, wie viel Wert Worte haben, ließ Thornton jedes einzelne Wort ihres Lieblingsgedichts "At the Bomb Testing Site" des Lyrikers William Stafford (82 an der Zahl) durch Google Ad Words, bei dem Werbetreibende einen Anzeigenrang und Klickpreis berechnen können, laufen. Google gibt dann einen Startpreis an, der je nach Wort und Kombination variiert. Wörter wie "günstiger Laptop" oder "Autoversicherung" können bis zu 60 Dollar pro Klick kosten, während Trump 1,63 Dollar pro Klick einbringt. Tony Blair ist mit 13 Cent etwas günstiger. Bei jeder Google-Suche läuft im Hintergrund eine Auktion ab, die darüber entscheidet, ob die Anzeige tatsächlich geschaltet wird und an welcher Anzeigenposition sie auf der Seite erscheint. Den Zuschlag erhält der Meistbietende. Im Grunde hat Google mehr mit einer Auktionsplattform als einem Bibliothekskatalog gemein. Der Konzern versteht sich darauf, aus Worten Profit zu machen. "Linguistischer Kapitalismus" hat das der französische Digitalvordenker Frédéric Kaplan einmal genannt.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Medien, Digital, Google

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-30 16:05:05
Letzte Änderung am 2017-03-31 10:30:06


Ant-Man

Große Bühne für kleine Helden

Angriff der Ameisen: Paul Rudd tritt wieder als Ant-Man in Aktion. - © Marvel Studios Auf Ameisengröße schrumpfen zu können und dabei trotzdem noch Superheldenkräfte zu besitzen, das geht nur in der fantastischen Comicwelt von Marvel... weiter




Comic

Essstörung und Abnabelung

Gezeichnet hat sie es schon vor mehr als einem Jahrzehnt, jetzt ist es bei Luftschacht erschienen: Das autobiografische Comicdebüt "Blad" der... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die "Neunte" - ohne Zweifel grenzgenial
  2. rumpelstilzchen
  3. Zeige den Zahn
  4. Die majestätische Kraft des Gebets
  5. Aus einem Schneckenhaus
Meistkommentiert
  1. Lieber Ed, gib uns ein WC
  2. Von der Angst in die Lust
  3. "Trump ermuntert Diktatoren"
  4. Dacapo für einen Tiefgang
  5. auf der prossen 3


Quiz


Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand.

Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen. Eleni Foureira aus Zypern während ihres Probe-Auftritts in Lissabon. 

Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017.  Romy Schneider wurde am 23. September 1938 als Rosemarie Magdalena Albach in Wien geboren. Die Schauspielerei ist ihr in die Wiege gelegt geworden: Ihre Eltern und sogar ihr Ururgroßvater waren Schauspieler. Ihren Künstlernamen verwendete sie kurz nach ihrer ersten Filmrolle in den 1950ern.


Werbung