Auch mit 81 Jahren versteht Erich von Däniken es, sein Publikum zu begeistern. Seine Vorträge sind fast ausverkauft. - © Robert Newald
Auch mit 81 Jahren versteht Erich von Däniken es, sein Publikum zu begeistern. Seine Vorträge sind fast ausverkauft. - © Robert Newald

"Sie kommen von den Plejaden", sagt der junge Mann vor seinem improvisierten Stand in Simmering. Wer? "Na die Plejadier, so wie die Sternengruppe, verstehen Sie?", sagt er und drückt einem Interessierten sicherheitshalber noch einen Zettel in die Hand. "Die stille Revolution der Wahrheit" steht auf dem Plakat, das die "Freie Interessengemeinschaft für Grenz- und Geisteswissenschaften und Ufologiestudien" über ihren kleinen Klapptisch gehängt hat. Darauf jede Menge Infomaterial und Bücher von Eduard Albert Meier, der von sich sagt, 62 Ufo-Landungen erlebt zu haben.

Der Stand mit den überzeugten Plejaden-Gläubigen steht nicht umsonst an diesem Abend vor der Veranstaltungshalle SIMM City in Simmering. Im Inneren der illustren Location riecht es nach Bier, Staub und Wahrheit. Denn heute hat sich in der schmucklosen und, als Wiener darf man das sagen: leicht grindigen Halle ein ganz besonderer Gast angesagt. Bestsellerautor Erich von Däniken, mit seiner "Prä-Astronautik" sozusagen der Urvater der Ufo-Bewegung im deutschsprachigen Raum, kommt Mittwoch und Donnerstag für Vorträge. Der 81-jährige Schweizer löste mit seinem Buch "Erinnerungen an die Zukunft" 1968 einen wahren Hype aus. Seine These: Die Erde wurde (und wird) immer wieder von mindestens vier verschiedenen Alien-Rassen besucht und beobachtet. "Götter" interpretiert er als Berichte von Besuchen Außerirdischer. Mehr als 60 Millionen Bücher hat von Däniken damit verkauft.

Seine Publikationsliste ist in etwa so lange wie die Schlange vor den Tischen, auf denen vor und nach dem Vortrag einschlägige Devotionalien verkauft werden. Daneben sitzt der Autor selbst, signiert, gibt Autogramme, macht Selfies mit den Fans. "Du willst ein Foto? Na komm schnell, ich hab wenig Zeit", sagt er zu dem jungen Burschen, der ihn um ein Handy-Foto bittet. Es sind auffallend viele junge Menschen hier, an diesem Abend in der SIMM City. Das mag erstaunen, hat der 81-jährige Kultautor seine Blütezeit doch schon ein paar Jahre hinter sich. Viele Pärchen, viele ältere Fans der ersten Stunde - "Wiederholungstäter" nennt sie Däniken zu Beginn scherzhaft. Die Halle ist fast ausverkauft - 29 Euro pro Karte. Günstig für einen Popstar, aber gar nicht wenig für eine Autorenlesung.

Aber Däniken ist mehr als ein Autor. Er ist so etwas wie ein Reiseleiter in eine Fantasiewelt. Er nimmt seine Besucher mit auf den Feuerwagen der Pharaonen (die damit zum Mutterschiff fliegen), zu den Marienerscheinungen von Fatima (natürlich ein Alien im wallenden Gewand) oder zu den Pyramiden von Gizeh (die samt geheimen Kammern ohne die Anleitung der Außerirdischen nie gebaut hätten werden können).

"Zur Sache!", sagt Däniken nach dem respektvollen Auftrittsapplaus. "Außerirdische haben in gigantischen Mutterschiffen unsere Vorfahren in der Steinzeit besucht. Die Fremden sind ihnen wie Götter vorgekommen. Aber es gibt keine Götter!" Jede Religion kenne ein anderes Wiederkehrsversprechen - aber es könne ja nicht jede Religion recht haben. Im Saal ist es mittlerweile mucksmäuschenstill, bevor der Schweizer zum wohlgesetzten Crescendo anhebt: "Ich behaupte, sie sind schon da und beobachten uns. Und sie sehen aus wie wir, man würde sie nicht erkennen." Wofür sonst hätte man entführten Menschen vor Jahrzehnten Eizellen und Sperma entnommen? Und natürlich - die seltsam geformten Schädel in Peru, in denen peruanische Wissenschafter Alien-DNA gefunden haben sollen.

32 Sprachen, Oscar-nominiert


In 32 Sprachen sind Dänikens Bestseller übersetzt. "Narrative Sachbücher" wird das Genre genannt, in denen es nicht darum geht, die gewagten Hypothesen wissenschaftlich zu belegen, sondern sie im Stil der "fantastischen Wissenschaft" möglichst spektakulär in Szene zu setzen. Zwei seiner Bücher wurden verfilmt, weitere Filme sind an Dänikens Ideen angelehnt - der Film zu "Erinnerungen an die Zukunft" war sogar für den Oscar nominiert. Doch es lief nicht immer so rund im Leben des gelernten Hoteliers, der in den sechziger Jahren ein Hotel in Davos führte. Ende 1968 wurde von Däniken sogar festgenommen und wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt, musste sogar eine Haftstrafe auf sich nehmen. Doch auch Vorwürfe, er habe sich für "Erinnerungen an die Zukunft" bei anderen Publikationen bedient, taten seinem Erfolg keinen Abbruch. Mit seiner 25-teiligen Fernsehserie "Auf den Spuren der All-Mächtigen" für Sat1 folgte in den 90ern der Durchbruch auch beim Publikum jenseits des Kreises der Buchleser.

In seinem Vortrag ist Däniken mittlerweile bei einem weiteren Höhepunkt angelangt: "Was sind Engel?", fragt er. In der Bibel werde berichtet, "ein Engel hat 185.000 Assyrer aus der Luft erschlagen". "Ein Schlachtfeld! Klingt das nach einem Engel oder vielleicht doch eher nach einem Außerirdischen und seinem Raumschiff?", fragt Däniken sein Publikum - "Lesen Sie es selber nach!" Auch mit dem Begriff "In den Himmel aufgefahren" sieht Däniken eher einen Außerirdischen, der in sein Raumschiff zurückkehrt. Man müsse letztlich nur zehn Begriffe in den alten Texten anders interpretieren "und schon machen diese Berichte viel mehr Sinn".