Wien. (bau) Markus Breitenecker, Geschäftsführer von ProSiebenSat1 Österreich, machte bei der Übernahme von ATV keine halben Sachen. Erst Freitag um Mitternacht war die österreichische Sendergruppe um die Österreich-Fenster von Sat1 und Pro7 sowie Puls4 offiziell Eigentümer von ATV. Noch am Donnerstagabend wurden die Mitarbeiter bei ATV informiert, etwa darüber, dass 70 der rund 150 Stellen gestrichen werden müssen, um ATV und ATV2 zu sanieren. Freitagfrüh trat Breitenecker dann vor die Presse, um seine Pläne für ATV zu präsentieren.

Zunächst soll ATV noch heuer seinen Standort in der Aspernbrückengasse aufgeben und zu Puls4 ins Medienzentrum nach Neu Marx ziehen. Auch die "Wiener Zeitung" sowie der Wiener Echo Verlag haben dort ihre Büros. Tatsächlich übersiedeln werden 80 der 150 Mitarbeiter. Zwar werden 70 Stellen bei ATV gestrichen, allerdings werde man versuchen, möglichst vielen Mitarbeitern Jobs in der derzeit rund 400 Mitarbeiter starken Sendergruppe anzubieten: "Wir haben mehrere Monate nicht nachbesetzt und haben eine gute zweistellige Anzahl an Stellen frei. Die wollen wir bevorzugt ehemaligen ATV-Mitarbeitern anbieten", erläuterte Breitenecker. Wie erst Freitag bekannt wurde, hat ATV-Eigentümer Herbert Kloiber bereits vor dem Verkauf sieben Mitarbeiter, davon fünf aus der Redaktion, gekündigt - eine "Vorbedingung" für den Deal, wie es bei Puls4 hießt. Ob diese Last-Minute-Kündigungen angesichts der Übernahmebedingungen der Wettbewerbsbehörde auch wirksam werden, ist offen.

Breitenecker will ATV künftig etwas mehr in Richtung RTL2 oder Vox positionieren, wie er sagte: also noch jünger und etwas weiblicher. Das schafft Spielraum für Puls4 in der Flotte. "Austria’s Next Topmodel" soll etwa von Puls4 auf ATV wandern. Man will die Sender ab sofort nicht mehr gegeneinander programmieren. Das wird zu Verschiebungen in allen Bereichen führen. ATV soll 2018 einem "Soft Relaunch" unterzogen werden. ATV2 dürfte überhaupt völlig neu positioniert werden, die Überlegungen gehen in Richtung "Food und Living".