Wien. Die traurige Bilanz seit 1. Jänner 2017: Acht Journalisten, ein Medienassistent und ein Onlineaktivist wurden während ihres Einsatzes getötet. Mehr als 360 Medienvertreter sind an der freien Berichterstattung gehindert. Sie sitzen im Gefängnis - so wie das derzeit medial bekannteste Beispiel, Deniz Yücel.

Die Bedingungen für freie Berichterstattung haben sich im vergangenen Jahr weltweit weiter verschlechtert. In nur mehr 49 Ländern der Welt ist die Situation für Medien nach Einschätzungen der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG/RSF) gut oder zufriedenstellend. Am deutlichsten abgestürzt in der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit ist die Türkei, Österreich hält seinen 11. Platz.

Alltägliche Attacken

In dem am Mittwoch veröffentlichten Ranking der Journalistenorganisation zeigt sich eine Fortsetzung des negativen Trends der vergangenen Jahre. In fast zwei Drittel aller 180 untersuchten Ländern verschlechterte sich die Situation für Medien und Journalisten. "Attacken auf freie Medien sind alltäglich geworden und autoritäre Figuren sind auf dem Vormarsch", bilanzierte Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, in einer Aussendung.

Am deutlichsten zeigt sich der Trend bei der Türkei, die in den vergangenen zwölf Jahren in dem Ranking um 56 Plätze nach unten gerutscht ist und nun nur mehr auf Platz 155 von 180 liegt. Doch auch in traditionellen Demokratien seien Propaganda und Unterdrückung von Freiheitsrechten zu beklagen, warnt die Organisation mit Blick auf den neuen US-Präsident Donald Trump, der bei Amtsantritt die Medien zu Feinden erklärte.

Von den bisher acht getöteten Journalisten 2017 starben alleine drei in Mexiko. 2016 wurden in dem Land zehn Journalisten ermordet. Veracruz, Guerrero, Michoacán, und Tamaulipas gelten als die gefährlichsten Bundesstaaten. Wenn Journalisten über Korruption und das organisierte Verbrechen recherchieren riskieren sie täglich ihr Leben. Die lebensbedrohlichen Bedingungen führen sogar zum Zeitungssterben. Anfang April musste das Blatt "Norte" in der Grenzstadt Ciudad Juarez wegen "des Fehlens von Garantien und von Sicherheit für einen kritischen Journalismus" eingestellt werden. Wie es um den Journalismus bestellt ist, zeigt die Entwicklung im Ranking: 2002 rangierte Mexiko auf dem 75. Platz, 2017 belegt es Platz 147 von 180. Nur in Syrien und Afghanistan leben Journalisten gefährlicher.

Pressefreiheit in Österreich gefährdet

Eine "gute Lage" für die Pressefreiheit wird weltweit nur 16 Ländern attestiert. Auf den vordersten Plätzen liegen wie in den vergangenen Jahren die nordeuropäischen Länder: Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und die Niederlande. Österreich konnte nach einer Verschlechterung im Vorjahr im diesjährigen Ranking seinen elften Platz halten. Reporter ohne Grenzen warnt allerdings vor möglichen Verschlechterungen durch die von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) geforderte Verschärfung des Demonstrationsrechts.

Zu der Gruppe der Schlusslichter im Bereich Medienfreiheit sind im vergangenen Jahr drei Länder hinzu gekommen. Mit Burundi, Ägypten und Bahrain gibt es nun insgesamt 21 Länder, in denen die Lage als "sehr ernst" eingestuft wird. Auch die Zahl jener Staaten, in denen laut Reporter ohne Grenzen eine "schwierige Lage" für Journalismus herrscht, hat weiter zugenommen. 51 Länder zählen nun zu dieser Gruppe.

Misstrauen und Desinformation

Dementsprechend wurde die Gruppe, in denen die Situation als "gut" oder "zufriedenstellend" eingeschätzt wird, kleiner. Nur mehr 49 Länder zählen dazu. Aus dieser Gruppe gefallen ist Polen, das unter der rechtskonservativen Regierung sieben Plätze abrutschte und nun auf Platz 54 rangiert. Die Mediensituation wird dort als problematisch eingestuft. Ungarn, wo dies bereits der Fall war, verschlechterte sich weiter und kommt nur mehr auf Rang 71.

Großen Einfluss auf den globalen Mediendiskurs hatten laut Reporter ohne Grenzen die jüngsten Ereignisse in den USA. Trumps Erfindung des Begriffes "alternative news", begleitet von fortwährendem Medienbashing, hätten eine gefährliche Atmosphäre von Misstrauen, Desinformation und detaillierte Recherchen im Zusammenhang mit "alternative facts" provoziert. Die Anti-Medienrhetorik des neuen US-Präsidenten und dessen Team findet bereits international Imitatoren - etwa Nigel Farage in Großbritannien, Beppe Grillo in Italien oder John Magufulli in Tansania.

Für die seit 2002 von Reporter ohne Grenzen jährlich herausgegebene Rangliste der Pressefreiheit beurteilt die Organisation in 180 Staaten Medienvielfalt, Medienunabhängigkeit, Transparenz, Selbstzensur, den gesetzlichen Rahmen und die Sicherheit von Journalisten.