Wien. Es ist eine verbreitete Unart, während des Autofahrens eine Nachricht ins Handy zu tippen. Man gefährdet damit sich und andere. Das Wiener Unternehmen Dolphin Technologies will Verkehrsteilnehmer mittels App dazu bringen, die Finger komplett vom Smartphone zu lassen. Wer das schafft, bekommt einen Kaffee oder Kosmetika als Geschenk. Dafür braucht man nur genügend Punkte zu sammeln, die sich dann gegen die Goodies eintauschen lassen.

Kleine Belohnungen für verantwortungsvolleres Verhalten - so die Idee hinter "goSmart". Die Software erkennt über GPS, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Es müssen nur die Ortungsdienste aktiviert sein. Ab Tempo 20 startet die App, und das Punktesammeln beginnt. Aber nicht nur Smartphone-Abstinenz wird belohnt. Für sicheren Fahrstil gibt es zusätzlich Punkte. Das geht, weil über Sensoren im Telefon eine Fahrtenanalyse läuft. Unter anderem werden Kurvenverhalten und Bremsvorgänge beobachtet. Jeder vierte Unfall passiere, weil jemand beim Autofahren sein Handy benutzt, heißt es auf der Anbieter-Seite.

Gamification bedeutet, dass spieltypische Elemente und Vorgänge in spielfremde Zusammenhänge übertragen werden. Das soll Motivation bringen, schließlich sind nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene verspielt. Unternehmen nutzen das Prinzip zum Beispiel in Bewerbungsverfahren. Bei der Hotelkette Marriott leiten Bewerber eine virtuelle Hotelküche. Sie bilden Angestellte aus und bedienen die Gäste am Tisch. Für zufriedene Kunden gibt es Punkte, Punktabzug bei schlechtem Service. Gamification lässt sich auch direkt in den Büroalltag einbauen. Bei der Software "move effect" geht es um betriebliches Gesundheitsmanagement. Mitarbeiter werden animiert, sich mehr zu bewegen. Es gibt ein kalorienbasiertes Punktesystem, welches alle möglichen Formen von Bewegung belohnt: gelaufene Kilometer, Yoga-Stunden, Kajakfahrten, Wandern. Gemeinsame sportliche Aktivitäten sind gewollt. Die Mitarbeiter können sich zum Beispiel das Ziel setzen, gemeinsam eine Strecke zu laufen, die summiert einer Erdumrundung entspricht. Der Software-Anbieter, ein Linzer Unternehmen, verspricht sinkende Krankenstandstage, verbesserte interne Kommunikation und positive Außenwirkung.

Nicht alle spielen gern

Spielerische Elemente am Arbeitsplatz einsetzen - funktioniert das? "Der Begriff des Homo ludens verweist schon darauf, dass das Spiel zum Menschen gehört, ihn seine Fähigkeiten entwickeln lässt", sagt Oliver Bendel, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz. Geht es um Gamification im Betrieb, seien aber gewisse Grenzen zu beachten. Nicht alle Erwachsene spielen gerne. Manche sprechen auf virtuelle Belohnungen einfach nicht an, selbst wenn sie mit finanziellen gekoppelt sind. Unternehmen sollten Gamification deswegen nur begrenzt einsetzen. Für Mitarbeiter müsse es auch andere Möglichkeiten geben, sich zu beweisen. "Konkurrenzdruck im Unternehmen ist nicht grundsätzlich schlecht, aber von Ranglisten, die Einzelne aufführen, würde ich absehen", sagt Bendel. Über Ranglisten für Abteilungen und Teams könne man dagegen durchaus nachdenken.