Die Themen Überwachung und Freiheit sind auch beim sogenannten Darknet zentral. Dieser Bereich des WWW, der sich nur mit spezieller Software erreichen lässt und aussieht wie das Internet Anfang der neunziger Jahre - also wenig sexy und spannend - ist als Ort der Kriminalität bekannt. Doch das ist falsch. Es gibt zwar zahlreiche illegale Aktivitäten dort, aber der Hauptteil der Angebote ist anonymer Informationsaustausch oder überhaupt erst die Möglichkeit, Daten auszutauschen und zu kommunizieren.

Menschen, die in Diktaturen oder Regimen aufgrund ihrer politischen Meinung oder sexuellen Orientierung verfolgt oder gar getötet werden, haben keine andere Möglichkeit, als sich in diesem Bereich zu bewegen. Wo freie Meinungsäußerung nicht vorhanden ist, dafür aber Zensur vorherrscht, erfüllt das Darknet einen wesentlichen Zweck. Auch in Europa gibt es mittlerweile Staaten, in denen Kritik an der Regierung oder auch Berichte über Menschenrechtsverletzungen nur mehr über dieses Netz geäußert oder geteilt werden können.

Auch Thomas de Maiziere erklärte in Berlin, dass "der Schutz der Privatsphäre die Voraussetzung für den Freiheitsgebrauch der Bürgerrechte" sei. "Ich plädiere jedoch für eine Entmythologisierung der Digitalisierung. Der Mensch hat einen freien Willen und er ist keine Marionette", so der deutsche Innenminister auf der Republica. In einer dystopischen Welt sehen Pessimisten im Darknet gar die Zukunft des Internet, den letzten Hort der Freiheit. Noch kann man daran arbeiten, dass es nicht so weit kommt.