Tobias Moretti und Anna Maria Mühe in "Geliebter Johann, geliebte Anna" . - © ORF/Epo-Film/Alfons Kowatsch
Tobias Moretti und Anna Maria Mühe in "Geliebter Johann, geliebte Anna" . - © ORF/Epo-Film/Alfons Kowatsch

Die Burg ist ziemlich unscheinbar. Nicht gerade fürstlich thront sie am Wüpelsberg und überblickt das ebenso unscheinbare Dorf samt seiner 430 Einwohner. Es gibt keine Geschäfte, keine "Dorfkneipe", kein Hotel. Ab und an verirren sich trotzdem Touristen hierher. Es ist der Name des Dorfes, der das ganze Jahr über für ein wenig Tourismus sorgt. Die Touristen bleiben jedoch nie lange. Zu wenig gibt es für sie zu sehen, zu viel haben sie sich von ihrem Ausflugsziel erwartet.

Der Name des Dorfes: Habsburg. Es heißt so wie die Burg selbst. In der Habsburg inmitten der Schweiz im Kanton Aargau fand einst alles seinen Anfang. Hier wurzelt die tausendjährige Geschichte der Familie Habsburg, die mit dem Bau der Burg durch Graf Radbot um 1020 begonnen hat und gut tausend Jahre später ihr Ende ebendort finden wird.

Der Sage nach entwischte während einer Jagd ein abgerichteter Habicht, den Graf Radbot wenig später auf dem Wülpelsberg wiederfand und den Standort als ideal für den Bau einer Burg befand. Aus der einstigen "Habichtsburg" wurde später dann die Habsburg. In ihr überdauern einige Generationen, ehe sie sich konsequent immer mehr Land und Macht erkämpfen - oder erheiraten.

Mit der Wahl Rudolfs I. zum römischen Kaiser deutscher Nation, gelingt im Jahr 1273 schließlich der Aufstieg der Habsburger zu einem großen europäischen Herrscherhaus. Über mehr als sechs Jahrhunderte beeinflussen sie maßgeblich die Geschicke Europas, ehe mit Ende des Ersten Weltkriegs die Monarchie und somit auch die Macht der Familie zerfällt.

Der 3sat-Thementag "Mythos Habsburg" beleuchtet die Bedeutung dieses Herrscherhauses für Europa anhand seiner wichtigsten Vertreter in der Vergangenheit und seine bis in die Gegenwart reichenden Spuren. Ganz oben auf dieser Liste steht die einzige Frau auf dem Thron der Habsburger: "Maria Theresia" (So., 15.15 Uhr). Sie herrschte 40 Jahre lang mit politischem Gespür und starker Hand.

Ebenfalls interessant ist die Dokumentation "Eine (fast) normale Familie - Die Habsburger" (So., 17.45 Uhr), die einen Blick auf die heutige Situation der ehemaligen Monarchenfamilie wirft: Was arbeiten sie? Was denken sie? Wen lieben sie? Auch wenn sich die meisten Habsburger über das Ende ihrer politischen Bedeutung keiner Illusion hingeben, gibt es immer noch Menschen, die von einer Renaissance der Monarchie träumen.

Doch nicht nur Dokumentationen, auch Filme stehen auf dem abwechslungsreichen Programm. Zum Beispiel "Geliebter Johann, Geliebte Anna" (So., 12.10 Uhr), ein Liebesfilm, umgesetzt von Erfolgsregisseur Julian Pölsler ("Polt"), der die Liebesgeschichte zwischen dem Habsburger-Erzherzog Johann und der Postmeisterstochter Anna Plochl erzählt.

Sissi, Rudolf und Ferdinand


Der Hauptabend ist einem weiteren Spielfilm gewidmet: "Sissi" (So., 20.15 Uhr), eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Kinoproduktionen, schildert die Geschichte des Zusammentreffens der späteren österreichischen Kaiserin Elisabeth mit Kaiser Franz Joseph I. In den Hauptrollen glänzen Karlheinz Böhm und Romy Schneider. Im Anschluss steht der von Regisseur Robert Dornhelm opulent für ein internationales Publikum umgesetzte Historienfilm "Kronprinz Rudolf" (So., ab 21.55 Uhr in zwei Teilen) auf dem Programm. Darin wird das tragische Schicksal des österreichischen Thronfolgers erzählt, der am 30. Jänner 1889 gemeinsam mit seiner Geliebten Mary Vetsera im Jagdschloss Mayerling tot aufgefunden wurde. Die näheren Umstände dieser Tat sind zum Teil bis heute noch ungeklärt. Im Nachtprogramm erzählt sodann der Film "Das Attentat - Sarajevo 1914" (So., bzw. Mo., 1 Uhr) von jenem schicksalhaften 28. Juni im Jahr 1914, der die Welt für immer verändern sollte: Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie werden während eines Besuchs in Sarajevo Opfer eines Attentats. Der Schuldige ist schnell gefunden - doch Untersuchungsrichter Leo Pfeffer (Florian Teichtmeister) stößt auf Widersprüche: ein Geständnis unter Folter, verschwundene Beweise und verstummende Zeugen . . .