(cb) Die Hoffnung war schon fast aufgegeben, als am Donnerstag nur mehr ein einziger Platz im Finale zu vergeben war. Aber dann wurde tatsächlich Österreich aufgerufen - Nathan Trent darf also am Samstag (ORFeins, 21 Uhr) beim Eurovision Songcontest in Kiew noch einmal "Running on Air" von einem Discokugelglitzermond herab intonieren. Er wird es mit Startnummer 4 machen - das ist immerhin ein Vorteil, tritt er doch drei Nummern nach dem israelischen Beitrag an, Gute-Laune-Pop von einem veritablen Nathan-Trent-Doppelgänger.

Zu den wirklichen Favoriten gehört freilich keiner der beiden Trents (der israelische heißt übrigens Imri Ziv). Gute Chancen kann sich da schon eher der Portugiese Salvador Sobral ausrechnen. Der tritt mit einer traurigen Ballade an und zuckt dazu wie eine schnuckelige Babyversion von Joe Cocker, was nicht nur den Mutterinstinkt vieler Zuseherinnen wecken dürfte.

Bei den Wettquoten weit vorne liegt auch Italien, das Sommerferien-Cornetto-Pop in Landessprache liefert und statt ausgiebiger Pyromanie-Einlage einen Affen mittanzen lässt.

Aufgeholt bei den kommerziellen Kaffeesudlesern hat zuletzt der Beitrag von Bulgarien, gesungen vom jüngsten Bewerber des Jahres, dem 17-Jährigen Kristian Kostov. Trotz viel Gleichklangs gibt es auch heuer kuriose Ausreißer, die den Song Contest erst zum schrägen Camp-Vergnügen machen: Rumänien jodelt, Kroatien lässt einen behäbigen Mann mit sich selbst duettieren - quasi "Pavarotti and Friends" trifft "Mein Freund Harvey".

Eine wichtige Frage muss noch beantwortet werden: Wird der deutsche Beitrag eh nicht weiter kommen als unserer? Unwahrscheinlich, das Lied von Levina klingt noch mehr wie ein Unfall als unseres.

Ein nationaler Trauertag dürfte der Samstag wohl für Irland werden: Das Land, das so oft den Song Contest gewonnen hat wie kein anderes, wurde heuer gar nicht erst zum Finale zugelassen. Brendan Murray mit der Sängerknabenstimme war der einzige, bei dem das Bübchenschema nicht gezogen hat.

Affen, Zucken und Bübchenschema