• vom 07.06.2017, 16:57 Uhr

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Veit Dengler sagt "Servus" und verlässt die "NZZ"




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  • Der Flop von "NZZ.at" sowie Proteste gegen seine Person setzten dem heimischen Manager zu.

Veit Dengler bei den Medientagen: Er konnte seine Ansichten bei der "NZZ" nicht umsetzen. - © apa

Veit Dengler bei den Medientagen: Er konnte seine Ansichten bei der "NZZ" nicht umsetzen. © apa

Zürich. (bau) Am Ende geriet die Stellungnahme, wie so oft, kurz und betont unterkühlt: "Verwaltungsrat und CEO der NZZ-Mediengruppe sind zum Schluss gelangt, die Führung des Unternehmens in neue Hände zu legen", teilte die "NZZ" am Mittwoch überraschend mit. Der gebürtige Grazer Medienmanager Veit Dengler muss die Führung des Verlages der Schweizer Qualitätszeitung nur vier Jahre nach seiner Bestellung abgeben: "Alle sind sich einig, dass der strategische Fokus auf Publizistik weiterhin richtig ist. Verwaltungsrat und CEO sind aber unterschiedlicher Auffassung darüber, wie die Strategie in der nächsten Phase umzusetzen ist. Vor diesem Hintergrund sind sie zum Schluss gelangt, dass eine andere Person diese Aufgabe übernehmen soll", heißt es in der Stellungnahme. Vorerst soll CFO Jörg Schnyder Vorsitzender der Unternehmensleitung werden.

Die Ära Dengler wir wohl nicht als besonders glorreich in die Analen der "NZZ" eingehen, obwohl ihm das Unternehmen zum Abschied Rosen streut: "Veit Dengler hat das Unternehmen erfolgreich auf die digitale Welt ausgerichtet, Prozesse und Führungsstruktur modernisiert und die richtigen Talente an Bord geholt - die Unternehmensleitung und alle Bereiche sind stark aufgestellt. Gleichzeitig hat er die Druckaktivitäten verschlankt und die Regionalmedien unter eine einheitliche Leitung gestellt."


Doch die Zahlen waren letztlich wohl nicht so, wie sie sein sollten. Der Umsatz verschob sich kontinuierlich weg von den strukturell rückläufigen Bereichen Print-Werbung und Druck hin zu Einnahmen aus dem Lesermarkt und neuen Geschäftsfeldern -allerdings nicht stark genug. Der Gewinn konnte im vergangenen Jahr zwar um sieben Prozent auf 23,8 Millionen Franken (22,3 Millionen Euro) gesteigert werden, der Umsatz sank jedoch um drei Prozent auf 443 Millionen Franken.

Denglers Sanierungskurs sorgte zudem für Verwerfungen. So wurden Aktionäre der "Neuen Zürcher Zeitung" bei der Hauptversammlung offen aufgefordert, Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod und CEO Dengler das Vertrauen zu entziehen. Auf Flugblättern hieß es, man hätte "das einstige Flaggschiff der Schweizer Presse in eine Krise geführt, es der Lächerlichkeit preisgegeben und unverantwortbaren Risiken ausgesetzt".

Wenig Freunde hatte man in der Schweiz auch mit Veit Denglers Österreich-Abenteuer "NZZ.at". Mit zehn Millionen Euro wollte man in Österreich unter der Leitung von Michael Fleischhacker ein völlig neues Online-Portal aufbauen - unabhängig von den Inhalten der "NZZ". Alleine: Die Abonnenten blieben weitgehend aus. Das Projekt wurde erst scheibchenweise abmontiert, zum Teil nach Zürich verlagert und dann ganz eingestellt. Etliche Mitarbeiter verloren ihre Jobs. In Zürich wurde bemängelt, warum man Schweizer Geld in Österreich investiere.

Affäre Spillmann
Für Negativ-Schlagzeilen sorgte der Verwaltungsrat, als "NZZ"-Chefredakteur Markus Spillmann gehen musste und bekannt wurde, dass dieser durch den Chefredakteur der "Basler Zeitung" und Christoph Blocher nahestehenden Markus Somm ersetzt werden sollte. Nach wütenden in der Öffentlichkeit ausgetragenen Protesten einigte man sich auf eine interne Lösung: Eric Gujer, seit 1986 beim Blatt rückte auf.

Veit Dengler hat akademische Abschlüsse von Universitäten in den USA und in Wien, und er hatte bei verschiedenen großen Unternehmen Spitzenpositionen inne. Der 48-Jährige war in Vergangenheit als Reporter für das Osteuropa-Büro des "Time Magazine" tätig und übte danach verschiedene Funktionen bei Procter & Gamble, McKinsey und T-Mobile aus. In Österreich war er vor seinem Schweizer Gastspiel als Mitbegründer der Neos politisch aktiv.

Der Abschied Denglers erfolgt mit sofortiger Wirkung. "Ich gehe jetzt - und Servus", soll Dengler laut "Persoenlich.com" bei seiner zweiminütigen Abschiedsrede gesagt haben.




Schlagwörter

Medien, Schweiz, NZZ

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