(cb) Wer schon immer seine Lieblinge aus der Kultserie "Game of Thrones" zu einem Plauscherl anrufen wollte, der könnte nun die (kurze) Chance nützen. Hacker haben nämlich am Dienstag die Telefonnummern etwa von den Schauspielern Peter Dinklage, Lena Headey und Emilia Clark veröffentlicht. Das ist nur ein weiteres Druckmittel in einem Internet-Kriminalitätsschachzug, der seinesgleichen sucht und die Schwachstellen der Unterhaltungskultur aufzeigt. Anfang August haben Hacker einen Angriff auf den US-Fernsehsender HBO verübt und dabei, wie sie behaupten, 1,5 Terabyte Daten gestohlen. HBO-Chef Richard Plepler bestätigte: Es habe "einen auf das Unternehmen gezielten Cybervorfall gegeben, der zu einigem gestohlenem Eigentum geführt hat".

3,4 Gigabyte dieses gestohlenen Eigentums haben die Internetdiebe bereits veröffentlicht und sie drohen, damit weiterzumachen, sollten sie nicht Lösegeld von HBO erhalten.

An die Öffentlichkeit gebracht wurden schon interne Dokumente wie eine Zusammenfassung des Skripts für die kommende fünfte Folge der aktuellen Staffel von "Game of Thrones" sowie E-Mails einer Führungskraft des Bezahlsenders. Das Motiv der Kriminellen ist nun klar: In einem an Richard Plepler adressierten Video forderten sie eine hohe Geldsumme, die in der öffentlichen Version unkenntlich gemacht wurde. Fließt kein Geld, wollen sie weiteres Material ins Netz stellen.

HBO-Sprecher Jeff Cusson sagte den Berichten in diversen Branchenmagazinen wie "Hollywood Reporter" und "Wired" zufolge, dass der Sender weitere Enthüllungen der Hacker erwartet habe. Man arbeite mit Behörden und externen Cybersicherheitsfirmen zusammen, um den Vorfall zu untersuchen.

Unterschied zu Sony


Er gehe aber nicht davon aus, dass das gesamte E-Mail-System des Unternehmens kompromittiert worden sei. Dies war der Fall, als 2014 Hacker ins Netz von Sony "einbrachen" und die Firma einen veritablen Imageschaden erleiden musste. Unter anderem, weil bekannt wurde, um wie viel weniger weibliche Stars bezahlt bekommen als männliche.

Obwohl unter den geleakten Daten auch Folgen der Serien "Ballers" und "Room 104" sind, scheint es unwahrscheinlich, dass auch ganze Folgen des HBO-Erfolgsvehikels "Game of Thrones" entwendet wurden. Zuletzt wurde zwar tatsächlich eine Folge vorzeitig online ausgestrahlt, daran war aber der Vertriebspartner, der Sender Star of India schuld.

HBO (Abkürzung für Home Box Office) kämpft seit Jahren damit, die Handlungen neuer Folgen geheim zu halten und deren illegale Verbreitung zu verhindern. Aus der fünften Staffel von "Game of Thrones" waren etwa vier Folgen vorab im Internet aufgetaucht, nachdem DVDs für Rezensionen an die Presse und Branchen-Insider verschickt worden waren. Das mehrfach ausgezeichnete Fantasy-Drama war Mitte Juli mit viel Getöse in den USA in die siebente Staffel gestartet, in Österreich sind die aktuellen Folgen beim Bezahlsender Sky zu sehen.