Das Grundmuster des Fernsehens steht vor einem Wandel, nicht allein durch Netflix und Co., sondern nun vor allem dadurch, dass einer der größten Content-Player am Markt einen Alleingang versucht. Während früher klassische Verwertungsketten in der Filmindustrie mit Partnern abliefen, die jeweils ihr Handwerk beherrschten, verkehrt sich das im Internet-Zeitalter zusehends ins Gegenteil, und aus den Spezialisten werden wieder Generalisten, die alles selbst machen wollen.

Beispiel Disney: Der Unterhaltungsriese hatte Anfang August bekanntgegeben, sich von seinem Rechte- und Verwertungs-Deal mit dem Online-Streamingdienst Netflix zu lösen. Das Auslaufen der Vereinbarung bringt mit sich, dass dann viele von Disney hergestellte Filme und Serien nicht mehr via Netflix zu sehen sein werden - sondern anderswo. Und zwar bei Disney selbst, denn der Konzern hat beschlossen, die Vermarktung der eigenen Produkte höchstselbst zu übernehmen, indem er eigene Streaming-Plattformen gründet.

Das war es dann mit dem Warenhaus Internet, bei dem man alle Waren zentral im Online-Kaufhaus erwerben kann. Die TV-Zuseher stehen künftig immer mehr vor der Herausforderung, einen immer größeren Dschungel an Anbietern durchforsten zu müssen, um an die Lieblingsinhalte zu gelangen.

Cashcow Sport


Dabei ist es genau dieses Prinzip, das Streaming so beliebt gemacht hat: Der Zuschauer kann sehen, was er will, wann er will und so oft er will. Man sieht schon: Der Zuschauer muss halt auch wollen. Wenn er nicht weiß, was er will, ist er in der digitalen Streamingwelt nämlich ziemlich verloren.

Der Disney-Konzern hingegen weiß, was er will: Noch viel mehr im Fokus als die Familienunterhaltung dürfte dort nämlich die Sportwelt liegen. Mit dem US-Kabelsender ESPN, dem populärsten Sport-Sender Amerikas, erwirtschaftet Eigentümer Disney laut Experten ein Viertel seines gesamten Gewinns. Nicht Micky Maus, sondern Football, Baseball, Basketball, das sind die Cashcows im US-Fernsehen. 94 der 100 meistgesehenen Fernsehsendungen in den USA im Jahr 2016 waren Sportübertragungen. Disney-Boss Bob Iger kämpft bei den Kabel-Abonnenten von ESPN dennoch mit sinkenden Abos, allein seit 2013 hat ESPN von knapp 100 Millionen Abonnenten auf 87,5 Millionen abgebaut. Die Verluste konnten bisher durch neue, teurere Tarifmodelle abgefedert werden, aber Zukunftsstrategien sehen anders aus. Daher soll eine Streaming-Variante von ESPN nun Abhilfe schaffen.