• vom 01.09.2017, 16:16 Uhr

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Update: 02.09.2017, 11:46 Uhr

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Der Unwiderstehliche




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Von Barbara Dürnberger

  • Arte widmet dem großen französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo einen Fernsehabend.

Wartet auf Rettung am Strand von Dünkirchen: Sergeant Maillat (Belmondo, r.). - © ARD/Arte France

Wartet auf Rettung am Strand von Dünkirchen: Sergeant Maillat (Belmondo, r.). © ARD/Arte France

Seine Schauspiellehrer prophezeiten ihm einst, er würde mit seinem Aussehen niemals Schauspieler werden, und verwehrten ihm sogar den Zutritt zur berühmten Comédie-Française. Jahre später, Jean-Paul Belmondo zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Schauspielern Frankreichs und hat sich auch international einen Namen gemacht, wird er wieder ans Theater zurückkehren und sich an seinen ehemaligen Lehrern revanchieren. Beweisen musste er damals wie auch heute allerdings niemandem mehr etwas: In rund 95 Kinofilmen und mehr als 40 Theaterrollen hat er in knapp 50 Jahren mitgewirkt. Seine Kollegen? Megastars wie Alain Delon, Jean Gabin oder Claudia Cardinale.

Dass er einmal beim Film landen würde, war Bébel, wie ihn die Franzosen gerne nennen, allerdings selbst lange nicht klar. Geboren 1933 in Neuilly-sur-Seine, nahe Paris, sollte er eigentlich in die Fußstapfen seines Vaters, eines Bildhauers, treten. Der junge Jean-Paul zeigt jedoch mehr athletisches denn künstlerisches Talent und versucht sich eine Zeit lang sogar als Profiboxer, ehe er sich für ein Schauspielstudium in Paris entschließt. Der Abschluss folgt 1956 und es dauert nicht lange, bis er erstmals in einigen kleineren Nebenrollen auf der großen Leinwand zu sehen ist. Sein Charisma und sein Talent verschaffen ihm Aufmerksamkeit - unter anderem jene von Regisseur Jean-Luc Godard, der mit ihm die Hauptrolle in "Außer Atem" besetzt und ihm so zum großen Durchbruch verhilft.


Der französische James Dean
Binnen kürzester Zeit wird Jean-Paul Belmondo zum Lieblingsschauspieler der Franzosen, überzeugt mit seinem lässigen Auftreten und seinem sonnigen Gemüt. Frankreichs große Regisseure wie François Truffaut, Louis Malle und Claude Sautet - und später auch Blockbuster-Regisseure - rissen sich um den jugendlichen, aufgeschlossenen Typ in enger Jeans und knapper Jacke, der deshalb oft als "französischer James Dean" bezeichnet wurde.

Hinzu kam auch seine Unerschrockenheit, die er selbst im harten Filmbusiness nicht ablegte und in über 70 Filmen ohne Double auskam, egal ob er sich an einen Hubschrauber klammerte, über fahrende Züge sprang oder den Eiffelturm und seine stattlichen 320 Meter Höhe erklomm.

Im Porträt "Belmondo, der Unwiderstehliche" (So., 22.15 Uhr, Arte) werden diese und andere Facetten der faszinierenden Persönlichkeit Belmondos erzählt. Arte zeigt die Dokumentation anlässlich eines Filmabends, der dem großen französischen Schauspieler gewidmet ist. Zuvor wird noch der Film: "Dünkirchen, 2. Juni 1940" (So., 20.15 Uhr, Arte) gezeigt, der die letzten beiden Tage vor der Ausschiffung der Alliierten zum Thema hat. In Henri Verneuils aufwendig inszenierten Kriegsdrama von 1964 verkörpert Belmondo den ehrlichen und moralisch anständigen Sergeant Maillat, der trotz der Schrecken des Krieges versucht, ein reines Gewissen zu behalten. Er gehört einer Gruppe versprengter französischer Soldaten an, die am Strand von Dünkirchen zusammen mit den Männern des britischen Expeditionskorps darauf warten, über den Kanal nach England gebracht zu werden.

Es ist ein gefährliches Warten, vor allem für die Franzosen. Denn die deutsche Luftwaffe fliegt ständig Einsätze und die Briten evakuieren zuerst nur ihre eigenen Leute. Maillat schafft es zwar an Bord eines Schiffes, muss jedoch bald wieder die Flucht zurück an Land antreten, nachdem das Schiff von deutschen Bomben getroffen wird. Wieder an Land, geht die Warterei weiter, unter ständigem Beschuss und stets der Gefahr ausgesetzt, feindlichen Soldaten über den Weg zu laufen. Für den jungen Sergeant werden es harte Tage, die ihm alles abverlangen und ihn am Ende nicht mehr mit einem reinen, sondern mit einem schlechten Gewissen auf die letzten Kriegstage zurückblicken lassen.

Der Kriegsfilm ist einer der weniger umjubelten Werke von Jean-Paul Belmondo. Zu heiter sei sein Gesicht an manchen Stellen für die durchwegs ernsthafte Thematik, mokierten Kritiker. Andererseits kann dies aber auch als Markenzeichen des Schauspielers verstanden werden. Bei all den unterschiedlichen Rollen, die er in seiner Karriere spielte, blieb er stets ein bisschen er selbst. Unverkennbar und sowohl in anspruchsvollen als auch in kommerziellen Filmen erfolgreich.




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Medien, Fernsehen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-01 16:21:06
Letzte ─nderung am 2017-09-02 11:46:42



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