Lieber Hubert Feichtlbauer, jetzt hast Du es also geschafft. Zuletzt konntest Du den Tod nicht mehr erwarten. Was Dir bei der Erstellung der bösen Diagnose zu plötzlich und zu schnell ging, war Dir in der letzten Zeit zu langsam. Du wolltest schließlich rascher gehen, als es Dir vergönnt war.

Auch in Deinem letzten Kampf hast Du bewiesen, was Dich Dein ganzes Leben ausgezeichnet hat. Eine unerschütterliche von Menschlichkeit getragene Haltung. Und Du hattest fast keine Angst. Das war beeindruckend. Nur kurz war Furcht einmal da. Denn Du wolltest keine großen Schmerzen erleiden und niemals siechen müssen. Als man Dir glaubhaft versicherte, das würde Dir erspart bleiben, bist Du mit Todesmut, niemals aber mit Todesverachtung, Deinen letzten Weg gegangen. Mit Glaube, Liebe und Hoffnung, wie es Deinem Naturell und Deiner Überzeugung entsprach.

Jetzt hast Du es also geschafft. Dabei wollte ich Dich immer als meinen Grabredner haben. Du konntest so wunderbar, blitzgescheit und schön formulieren. Jetzt sitze ich da und schreibe über Dich. Hättest Du nicht noch ein bisserl warten können? Du mit Deinem unnachahmlichen, intelligenten Humor. Wir hatten nach Deiner Diagnose ausgemacht, dass Du zur Sicherheit noch zu meinen Lebzeiten eine Grabrede halten wirst. Damit ich sie auch hören kann. So blöde Ideen hatten wir noch gemeinsam. Und jetzt ist sich das nicht mehr ausgegangen.

Viele gute und schöne Dinge habe ich in den letzten Stunden über Dich in Nachrufen gelesen. Oft wird ja bei so etwas gelogen. Aber bei Dir war tatsächlich alles wahr, was ich las: Das, mit dem unbeugsamen Humanisten, mit dem grundsatztreuen journalistischen Vorbild, mit der moralischen Autorität, mit dem Mahner für Gerechtigkeit. Wo Du in Funktionen warst, hast Du nicht nur geredet, sondern auch danach gehandelt. Ob als Zeitungsmann, beim Presserat, bei der Liga der Vereinten Nationen, bei "Wir sind Kirche" oder als unbequemer Aufdecker bei Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche.

Da warst ein ganz, ganz großer Mann, lieber Hubert Feichtlbauer. So groß in Geist und Wirken, das Du weit ausgestrahlt hast um Dich herum. Ein intellektueller und moralischer Leuchtturm in einer grau verwaschenen österreichischen Medien- und Politlandschaft.

Den Ausgang der Nationalratswahlen hast Du Dir erspart. Dabei hätte Dich das noch so brennend interessiert. Oft hast Du darüber gesprochen. Und Du alter kritischer Geist hattest Deine Zweifel, ob sich was zum Besseren wenden könne. Denn als echter Humanist hat Dir an vielen Stellen das sprichwörtliche Herz gefehlt. Jener Teil, der, neben Deinem klugen Kopf, Dein Leben und Wirken gesteuert hat.

Hubert Feichtlbauer, Du kluger Mann mit großen Herzen. Davon steht nicht so viel in den Nachrufen. Aber das ist ja auch sehr persönlich. Aber wer menschlichen Beistand gebraucht hat, wird diese Einschätzung wohl bestätigen. Deine Familie, Dein Lebens-Mittelpunkt, wird das auch so sehen.

Du warst zeitlebens wirklich bescheiden und Komplimente waren Dir nie geheuer. Du würdest wohl in der Erde versinken und vielleicht sogar böse werden, wenn jemand sagen würde: "Er war in Wort und Tat ein christliches Vorbild." Aber so war’s halt. Das sag ich Dir als Dein Freund, der Agnostiker. Mit Dir konnte man bei so manchem guten Schluck trefflich diskutieren, aber niemals streiten. Zu elegant, zu feinsinnig, zu gebildet warst Du, um nicht Deinem Gesprächspartner immer das Gefühl zu vermitteln, es gehe eben um Meinungsaustausch.

Mögen sich jetzt Deine Glaubens-Hoffnungen bewahrheiten. Ich wünsche es Dir. Verdient hättest Du es. Danke, dass jemand wie Du – aus einer ganz anderen Denkschule, – so lange mein väterlicher Freund war.

Mach’ gut, Hubert, Du Leuchtturm! Du wirst nun all den anderen, Deiner Branche, Deiner Kirche und dem ganzen Land fehlen. Selbst, wenn viele hier das gar nichts wissen.