• vom 04.10.2017, 16:04 Uhr

Medien

Update: 05.10.2017, 08:33 Uhr

Digital

Der iPod als neues Vinyl




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"Akt der Meditation"
Mit ihrer Nostalgie ist die Autorin nicht allein: Lindsay Zoladz schrieb 2016 eine "Ode an das iPhone": Die Nutzung eines iPods fühle sich im Smartphone-Zeitalter wie ein "Akt der Meditation" an: "Ich verlangsame meinen Schritt, schalte ab, sortiere mein Leben - für die Länge eines Albums oder eines Songs - im Nicht-Stören-Modus." Es ist erstaunlich: Ein Gerät, das Kulturpessimisten als antisozial geißelten, weil man sich damit ausklinke, wird zum Gegenstand der Entschleunigung und Selbstfindung.

Der aktuelle Kinohit "Baby Driver" erweist dem Kultobjekt cineastisch seine Reverenz. In dem Film fährt der Protagonist "Baby" den Fluchtwagen für Bankräuber im Takt zu seinem iPod. Während seine Komplizen eine Bank ausrauben, bleibt Baby cool im Wagen sitzen und bewegt seine Lippen zu Jon Spencer Blues Explosions Song "Bellbottoms". Bevor er losrast, stellt er den Killertrack ein. Der Filmrhythmus synchronisiert den Beat in Babys Ohren. Die folgende Fluchtszene ist so geschnitten, dass es wie ein choreographierter Tanz wirkt. Der iPod gerät zum Taktgeber eines Verbrechens, zu einem eigenen Musik-Avatar.

Zumindest auf der Kinoleinwand ist der iPod wieder präsent. Auf der nichtfiktionalen Bühne hat der iPod im Moment noch den Charme von CDs. Man kann ihn zwar noch abspielen, aber auf dem Markt spielt er keine Rolle mehr. Vielleicht erlebt der iPod aber irgendwann ein Revival und wird wie Vinyl als Vintage-Tonträger wieder en vogue. Im Gegensatz zum iPhone hat der portable Musikplayer den Vorteil, dass der Hörer nicht getrackt wird.

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Schlagwörter

Digital, iPod, Apple

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-04 16:09:05
Letzte Änderung am 2017-10-05 08:33:30


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