Hier also war es. Hier wies Jon Snow Halbbruder Bran an im Gebrauch von Pfeil und Bogen. Hier schlug Robb sein Zeltlager auf. Hier wurde Ser Rodrik enthauptet. Hier beriet sich Ned mit dem König. Hier tötete Brienne die drei Soldaten, die ihr den "Kingslayer" abnehmen wollten. Die Uferstelle, an der sie an Land ging, erkennt man sogleich.

Eingeweihte wissen, wovon die Rede ist bei der Nennung dieser Namen. Um historische Figuren, von denen Nordirland auch einige hat, geht es nicht. Es geht um fiktive Gestalten, ums Reich kollektiver und populärer Bildschirm-Träume. Denn dies ist Winterfell - der legendäre Stammsitz der Starks in "Game of Thrones", der zum Kult gewordenen TV-Drama-Serie.

Ein Vielmillionenpublikum in über 70 Ländern hat "Game of Thrones" seit seinen Anfängen im Jahr 2011 in seinen Bann geschlagen. Hier, auf den Hügeln über Strangford Lough, wurden viele der eindrücklichsten Szenen gedreht. Hier finden sich "Thronies" auf geradezu heiligem Boden.

Magischer Ort


Vor wenigen Jahren noch war Castle Ward kaum einem Menschen außerhalb Nordirlands ein Begriff. Nahe dem Städtchen Downpatrick, zog das Gelände mit seinem Herrschaftshaus, seiner Burg und seinem Park am See nur gelegentlich Spaziergänger und die Mitglieder des örtlichen Segelklubs an. Seit aber "Game of Thrones" Castle Wards gut erhaltene Burganlage zum Drehort machte, rollen Busladungen voller Touristen, um hier ehrfürchtig auf dem Burghof zu stehen und rundherum durchs Unterholz zu ziehen.

In aller Eile hat man in Castle Ward der traditionell verwendeten Glanzpapier-Faltkarte der Wanderwege ein frisch gedrucktes A4-Blatt mit den sechs Drehorten auf dem Gelände beigefügt. Der Geist Hollywoods schwebt über den Wassern von Strangford Lough und über Castle Wards Gemäuern. "Wir haben Leute, die aus Los Angeles hierher kommen", meint die Ticketverkäuferin von Castle Ward stolz.

So recht glauben können die Leute vor Ort es bis jetzt nicht, dass Castle Ward als magischer Ort Winterfell nun Neugierige von überall her in diese Weltenecke lockt. Die Wikinger, die einst mit ihren Schiffen in Strangford Lough einfielen, bildeten die letzte große Invasion, die diese Küste erlebt hat. Die Uhren ticken hier langsam. Im Tourist Office von Downpatrick erfährt man mehr über die Pilgerpfade St.Patrick’s, des irischen Nationalheiligen, als über den Turm, von dem der kleine Bran seinen tiefen Sturz tat im Film. "Es hat eine Weile gedauert, bis die Tourismusämter begriffen, wie sie diese Gelegenheit nutzen konnten", meint man seitens der Filmförderungs-Organisation Northern Ireland Screen.